Die großen Labels haben derweil eigene Musikdienste in Planung. Pressplay ist der Dienst von Universal und Sony und soll am 21. Dezember starten. Über den Start von Musicnet (EMI, BMG, Warner) ist nichts bekannt.
www. listen. com www. realnetworks. com www. pressplay. com www. musicnet. com
Am heutigen Montag soll das erste einer Reihe von neuen Internet-Musikangeboten, die von der Plattenindustrie unterstützt werden, starten. Die amerikanische Firma Listen.com will einen Abonnementdienst mit dem Namen Rhapsody anbieten, bei dem man für 10 Dollar pro Monat Zugriff auf tausende von Pop-Songs haben soll. Am Dienstag startet RealOne, ein Musik-Download-Angebot der Firma Real Networks, bei dem die Kunden für 10 Dollar pro Monat voraussichtlich 75 Songs herunterladen können.
Beide Dienste sind als Reaktion auf den Erfolg von Napster entstanden. Bei der Musiktauschbörse konnten die User über das Internet Musikstücke miteinander austauschen; auf Anordnung eines US-Gerichts wurde die Musiktauschbörse im Juli diesen Jahres geschlossen. Nach mehreren verschobenen Neustarts soll Napster, das von dem deutschen Medienkonzern Bertelsmann finanziell unterstützt wird, nun Anfang 2002 als kostenpflichtiger Download-Dienst wieder ans Netz gehen. Nach Angaben von Bertelsmann steht inzwischen die Technik für den Abo-Dienst, allerdings wird noch mit den Plattenlabels Sony und Universal um Lizenzverträge verhandelt, ohne deren Einverständnis Napster rund 40 Prozent des Marktes fehlen würden.
Nun ist dem kalifornischen Unternehmen die Konkurrenz zuvorgekommen. Allerdings bieten Listen.com und RealOne nur einen Bruchteil der Musik, die bei Napster in seiner Hochzeit zu finden war. Bei Listen.com gibt es nur Musik von einem der fünf großen internationalen Plattenlabels. Um welches es sich dabei handelt, will die Firma am Montag bekannt geben. Im Übrigen besteht das Repertoire vor allem aus Produktionen von kleinen Independent-Plattenfirmen, mit denen das Unternehmen in den letzten Monaten individuelle Verträge geschlossen hat.
Um Musikpiraterie zu verhindern, kann man bei Listen.com nicht komplette Songs herunterladen. Der User speichert nur 99 Prozent einer MP3-Datei auf seinem Computer. Wenn er das Stück hören will, muss er sich jedes Mal über das Internet mit der Website von Listen.com verbinden, um das fehlende Stück des Songs herunterzuladen. Auf CD brennen oder auf MP3-Player übertragen kann man die Musikstücke nicht.
Das gilt auch für RealOne von Real Networks. RealOne arbeitet mit der Firma MusicNet zusammen, die die Musik der drei großen Musiklabels Bertelsmann, AOL Time Warner und EMI im Internet vermarkten soll. Musik von Bands und Interpreten wie Michael Jackson oder Mariah Carey wird darum bei RealOne nicht zu finden sein, denn die sind bei der Konkurrenz: Sony, die zusammen mit Universal Music einen eigenen Internet-Musikvertrieb namens Pressplay planen. Dieser soll nach Unternehmensangaben am 21. Dezember ans Netz gehen.
Bei RealOne soll man pro Monat etwa 75 von 100 000 Songs von Interpreten wie den Backstreet Boys und Britney Spears herunterladen können. Diese MP3-Dateien sollen auf dem Computer des Kunden jeweils am Ende des Monats "auslaufen". Das bedeutet, dass die Nutzer für das Hören dieser Songs danach neu bezahlen müssen. Bei MusicNet betrachtet man diese Art des Vertriebs nicht als Verkauf, sondern als "Verleih".
Sowohl MusicNet wie Listen.com sind im Gegensatz zu Napster allerdings keine Filesharing-Netze. Während man bei Napster vor seiner Schließung die Songs direkt von dem Computer anderer Teilnehmer herunterlud, bieten die neuen Dienste den Download vom Zentralrechner der beteiligten Unternehmen ab. Dadurch soll man die Songs schneller auf den eigenen Computer laden können.
Unterdessen boomen Musiktauschbörsen im Internet weiter: nach einer Untersuchung der Marktforschungsfirma Webnoize sind bei der neuen Musiktauschbörse Fast Track inzwischen im Durchschnitt 1,57 Millionen User online. Das sind mehr als bei Napster in seiner Hochzeit Anfang letzten Jahres.
Der Zugang zu Fast Track erfolgt über die Programme Morpheus, Kazaa und Grokster, die umsonst aus dem Internet heruntergeladen werden können. Wie bei Napster tauschen die User ihre Musikdateien direkt von Computer zu Computer. Der Unterschied: Es gibt bei Fast Track noch nicht einmal mehr einen Zentralcomputer, über den man nach Fundstellen für einen bestimmten Song suchen kann.