Ohne dich wäre ich so viel dümmer geblieben. Ich danke dir", lautet ein Eintrag ins virtuelle Kondolenzbuch. "Hoffentlich gibt es weiterhin Menschen wie Wau, die anderen die Augen öffnen", heißt es in einem anderen. Seit sich am Montag im Netz die Nachricht vom Tod Wau Hollands verbreitete, kommen fast minütlich neue Einträge in dem Kondolenzbuch im Internet dazu. Und fast allen merkt man an, dass die, die sich eintragen, einen wichtigen Menschen verloren haben. Selbst wenn sie ihn gar nicht persönlich gekannt haben.
Wau Holland, mit bürgerlichem Namen Herwart Holland-Moritz, war vor über 20 Jahren einer der Gründer des Chaos Computer Clubs (CCC), heute der größte Zusammenschluss von Hackern in ganz Europa. Doch vor allem gehörte er zu den Ersten, die in Deutschland die kommende, immense Bedeutung von Computern und Online-Kommunikation richtig einschätzten.
Als freier Mitarbeiter der taz berichtete er über die Hackerszene, die sich Anfang der 80er-Jahre in Westdeutschland entwickelte. Von der Redaktion der taz aus plante er die Gründung des CCC, deren Alterspräsident er war, und gab die "Datenschleuder", das offizielle Vereinsorgan, heraus. Zuletzt leitete er in Jena ein Computerprojekt für Jugendliche und stand kurz davor, in Berlin ein offenes Haus aufzumachen.
Als Sprecher des Chaos Computer Clubs war er unter anderem 1984 in den "Hack" der BTX-Seiten der Hamburger Sparkasse verwickelt, bei dem der CCC die Bank um 134 000 Mark erleichterte - und sie anschließend zurückgab. Denn Wau Holland war es auch, der den Hackern einschärfte, nicht für Geld in andere Computer einzubrechen.
Für ihn stand beim Hacken neben dem Vergnügen am kreativen Umgang mit Technik die Verantwortung der technischen Elite im Mittelpunkt. "Jeder Mensch ist ein Sender", glaubte er, und engagierte sich für Meinungsfreiheit und die freie Weitergabe von Wissen in Computernetzen.
Bei Veranstaltungen und Kongressen zum Thema Internet war Wau Holland bis vor kurzem ein gefragter Sprecher, denn er war nicht nur ein Experte für Computersicherheit und Datenschutz, sondern auch ein witziger und schlagfertiger Redner. Sein Auftreten mit wallendem, grauem Haar und Bart, im Sommer in einer Toga, im Winter in Latzhose, war ein Erlebnis für alle, die das Glück hatten, ihn einmal persönlich getroffen zu haben. "Du hast unser Leben inspiriert", heißt es im Nachruf auf der Website des Chaos Computer Clubs, "warst vielen Anstoß, sich mit Computern sinnvoll zu beschäftigen, und hast unsere Weltanschauung positiv und kritisch geprägt."
Am Sonntag ist Wau Holland im Alter von 49 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Seit dem 29. Mai lag er im Koma, am 27. Juli ergriff ein Fieber seinen geschwächten Körper. Er ist am Morgen des 29. Juli friedlich eingeschlafen. Seine Beisetzung soll in einigen Wochen in Marburg stattfinden.
Das Netz-Kondolenzbuch unter
www.wauland.de