Bild sagt Entschuldigung." Irgendwie klingt das komisch. Als ob eine Zeitung einen Willen habe und diesen ohne Mithilfe von Redakteuren, Autoren und Grafikern einfach so äußern könne. Doch die "Bild"-Zeitung spricht von sich selbst von jeher in der dritten Person. Meist tut sie das, um sich bei sich selbst zu bedanken ("Danke, Bild !") oder um Ansichten zu äußern (" Bild meint:.").
Doch diesmal entschuldigt sich "Bild" zur Abwechslung, und zwar für ihre Berichterstattung zum "Fall Joseph" im November 2000. Damals hatte das Blatt berichtet, dass Rechte einen kleinen Jungen im Schwimmbad von Sebnitz ertränkt hätten. Am Mittwoch hat die Staatsanwaltschaft dieses Verfahren eingestellt. Einen Aufmacher, wie bei der ersten Geschichte über den angeblichen Mordfall, war die Entschuldigung "Bild" nicht wert. Die Schlagzeile gilt Angela Ermakowa, der Mutter von Boris Beckers unehelichem Kind, die inzwischen von der "Samenräuberin" zum "Russen-Model" aufgestiegen ist.
"Fast alle deutschen Zeitungen", heißt es im Kommentar aus Seite 2, "berichten so in rund 500 Artikel über den Fall des kleinen Joseph aus Sebnitz, TV- und Radiostationen bringen ausführliche Reportagen - auch ,Bild ." Dass das eigene Blatt durch seine sensationslüsterne Berichterstattung die Kampagne, an der sich schließlich fast die ganze deutsche Presse beteiligte, überhaupt erst ausgelöst hat, verschweigt der Kommentar geflissentlich. Dafür druckt man genüsslich Ausschnitte aus "Süddeutscher" und der "FAZ" ab, die zeigen, dass auch seriöse Zeitungen auf den Fall angesprungen sind.
"Im Gegensatz zu vielen anderen Medien hat ,Bild sich für seine Berichterstattung und deren engative Folgen für die Bürger von Sebnitz entschuldigt", heißt es weiter. "Jetzt sollten endlich alle, auch andere Medien, den Sebnitzern die Hand reichen." "Danke, ,Bild " möchte man da sagen, angesichts von so viel Großmut. Dass es nicht so ganz zusammenpasst, sich erst zu entschuldigen, und dann mit dem Finger auf andere zu zeigen - egal. Besonders weil sich ,Bild in neu erworbener Anständigkeit nun sicher auch für die vier anderen Geschichten entschuldigen wird, für die sie in diesem Jahr bereits vom Deutschen Presserat gerügt worden ist.