NEW YORK. Drei der fünf größten Musikfirmen haben sich zu der Online-Plattform MusicNet zusammengeschlossen. Neben Warner Music, Bertelsmann Music Group (BMG) und EMI ist auch RealNetworks Partner in der neuen Allianz, die am Montag bekannt gegeben wurde. Ab dem 1. Juli kann der Kunde voraussichtlich von mehreren Anbietern Musik online herunterladen.
MusicNet soll sowohl als technischer Anbieter wie auch als "Clearinghouse" für die Verrechnung zwischen den Anbietern dienen. MusicNet werde Lizenzen an Unternehmen vertreiben, die Musikdienste auf Abonnement-Basis unter ihren eigenen Markennamen vermarkten wollten, hieß es. Die drei Musikkonzerne werden ihre Rechte nicht-exklusiv an MusicNet übertragen, die ihrerseits Lizenzen vergeben wird.
Endkunden können bei MusicNet keine Musik beziehen, sondern nur Zwischenhändler. Unter den ersten Kunden des neuen Rechtehändlers ist die umstrittene Musiktauschbörse Napster. Sie steht derzeit wegen der Verletzung der Urheberrechte vor Gericht.
Zwischen zehn und zwanzig Mark
Die Bertelsmann AG ist Partner von Napster und will in den nächsten Monaten eine legale Version der Tauschplattform mit Abonnementgebühren etablieren, die zwischen zehn und zwanzig Mark für den unbeschränkten Download von Musik kosten soll. Das Repertoire von MusicNet soll an Napster lizenziert werden.
Offenbar soll Napster durch einen Pauschalpreis bei MusicNet die Rechte für die Verbreitung aller Veröffentlichungen der beteiligten Plattenfirmen erwerben. Diese Titel könnten über das Netzwerk von Napster verbreitet werden. Napster hatte vor kurzem der Plattenindustrie eine Milliarde Dollar für das Recht auf Online-Vertrieb für die nächsten fünf Jahre angeboten.
Unklar ist noch, wie sich die Angebote von Napster und MusicNet ergänzen sollen. MusicNet ist ein Download-Dienst, bei dem der Kunde sich Musik von einem zentralen Server herunterladen oder per streaming "live" ansehen kann.
Ganz anders funktioniert Napster: das Online-Angebot ist ein so genannter File-Sharing-Dienst. Das bedeutet, dass die Teilnehmer Musik, die auf den Computern von anderen Usern gespeichert ist, direkt auf ihren eigenen Rechner laden können. Darum wird diese Art von Internet-Angebot auch "Peer-to-peer" (Von-gleich-zu-gleich) genannt.
Die neue Allianz zwischen den konkurrierenden Unternehmen AOL Time Warner, Bertelsmann und EMI ist auch eine Reaktion auf die Partnerschaft der beiden weiteren großen Musikfirmen Universal Music und Sony Music. Sie hatten im Februar dieses Jahres angekündigt, ihr Repertoire in einer eigenen Tauschbörse vertreiben zu wollen.
Das neue Projekt mit dem Namen "Duet" soll ab Sommer Musiktitel beider Unternehmen anbieten. Universal Music und Sony Music wurden von der neuen Allianz eingeladen, sich an MusicNet durch Lizenzvergabe ihres Repertoires zu beteiligen. Insider vermuten, dass MusicNet und Duet für ihre jeweiligen Rechte gegenseitig Lizenzen erwerben werden. (mit dpa, Reuters)