In Berlin soll ein Museum gebaut werden, das dem Andenken des deutschen Computerpioniers Konrad Zuse (1910 - 1995) gewidmet ist. Das ist jedenfalls das Ziel des Vereins Zuse-Park, der vorgestern am fünften Todestag Zuses im Reichstag gegründet wurde.
Der Verein stellt sich an dieser Stelle "eine medienträchtige Touristenattraktion von Weltrang" vor. Sie soll nicht nur das Leben des Berliner Erfinders Konrad Zuse, sondern auch die Geschichte des Computers dokumentieren. Von der Rechenmaschine von Leibniz bis hin zur Gegenwart soll die Entwicklung des Computers beschrieben werden. Außerdem will das Museum mehrsprachige Veranstaltungen sowie Sonder- und Wanderausstellungen anbieten. Unterstützt wird das Unternehmen unter anderem von dem SPD-Bundestagesabgeordneten Jörg Tauss.
Franz Schulz, Bürgermeister von Kreuzberg und selbst von Beruf Physiker, findet die Idee zwar "außerordentlich spannend". Ein Museum auf dem vorgesehenen Grundstück hält er jedoch für "wenig realistisch". Denn noch wächst auf dem Grundstück in der Methfesselstraße der Ratswein des Kreuzberger Bezirksamtes, dessen Anbau auch einige in Kreuzberg besonders wertvolle Arbeitsplätze sichert. Aber vor allem soll ein derartiges Museum nicht von einem privaten Verein veranstaltet werden, sondern in das Kreuzberger Technikmuseum integriert werden.
Zuse gilt als der deutsche Erfinder des Computers. Er konstruierte im Jahre 1938 im Alter von 28 Jahren die erste funktionsfähige, programmgesteuerte Rechenmaschine Z1. 1940/41 folgten die ersten elektromechanischen Computer Z2 und Z3 sowie 1945 das Programm Plankalkül, ein Vorläufer der heutigen Programmiersprachen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete er ein eigenes Unternehmen. Außer Computern gehörte auch ein verstellbarer Zeichentisch und ein mechanischer Turm zu Zuses Erfindungen.
Den berühmten Z1, einen rein mechanischen Computer, baute Zuse in der Wohnküche seiner Eltern in der Kreuberger Methfesselstraße ohne die Unterstützung einer Universität oder eines Unternehmens. Das Haus an der Auffahrt zur Schultheiss-Brauerei wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Eine Gedenktafel erinnert am Nachbarhaus an Zuses Erfindung. Ein Nachbau des Z, dessen Konstruktion Zuse noch selbst überwachte, steht im Kreuzberger Museum für Verkehr und Technik.
Bei der Finanzierung des Museums hofft der Zuse-Verein auf Bill Gates. Einen "zweistelligen Millionenbetrag" will Bernd Tillmann, der zweite Vorsitzende des Vereins und ehemaliger persönlicher Referent Zuses, dem reichsten Mann der Welt für das Museums entlocken: "Schließlich hat niemand mehr von Konrad Zuses Erfindungen profitiert als Gates", findet er.
Konrad Zuse, der auch ein leidenschaftlicher Maler war, hatte kurz vor seinem Tod ein Bild von Gates gemalt, das er ihm 1995 bei der CeBit überreichte. Darum hofft man bei Zuse-Park nun auf eine großzügige Spende aus Redmond. Andernfalls will man sich bei verschiedenen deutschen Stiftungen um Unterstützung bemühen. "In der deutschen Computer-Community ist genug Geld da, um so ein Museum zu unterstützen", glaubt jedenfalls Tillmanns.