Kinder-Computer // Die Brain-Station 9009 CXL (ab 9 Jahre) von Vtech enthält 71 Lernprogramme zu Mathematik, Computern, Logik, Kunst und Allgemeinwissen. Außerdem gibt es eine Uhr und Spiele. Anschließen kann man einen Drucker und eine Digitalkamera.

Das Interface auf dem LCD-Bildschirm hat Windows und Buttons und kann mit einer Maus bedient werden. Das Gerät kostet 350 Mark.

Der Living Laptop von Ravensburger (ab 5 Jahre) enthält 18 Programme. Zu ihnen gehören unter anderem "Zahlensuche", "Formenpuzzle", "Klatschzählen" und "Musikbox".

Beim "Zahlenzahnarzt" muss man Zähne zählen. Bei der "Formensuche" packt man mit einem kleinen Roboter Drei- ecke und Kreise auf einen Wagen. Das Gerät kostet 139 Mark.

Tipps für Eltern // Ingetraud Palm-Walter warnt davor, den Computer für eine "generell intelligenzfördernde Maschine" zu halten. Viele Eltern fühlten sich von den neuen Computer-Technologien überfordert, und wollten ihre Kinder darum mit Hightech-Spielzeug erziehen.

Sinnvoller sei es, sich mit Kindern ab fünf Jahren selbst vor den Rechner zu setzen. Mehr als eine Stunde pro Tag sollten Kinder nicht am Computer verbringen. Dabei sollte den Kindern vermittelt werden, dass ein Computer nicht nur Spielzeug, sondern auch Arbeitsgerät ist.

Weitere Informationen bei Spielgut e. V. www. spielgut. de

Er hat kurze, graue Ärmchen und die Finger sind bunte Tasten. Zwei runde Kulleraugen rollen über den quietschgrünen Monitor, und auf dem Bildschirm erscheint ein grinsender Mund, wenn der Computer sich freut.

Moment mal, wenn der Computer sich freut? Ja, der "Living Laptop" von Ravensburger soll Kindern den Zugang zum PC erleichtern, indem er mit den Kleinen "kommuniziert". "Schön, dass du wieder da bist", begrüßt das Maschinchen seinen User nach dem Einschalten. Dann lädt es zum Buchstabensuchen, Rechnen oder Mitsingen ein. Wer eine Aufgabe richtig löst, wird gelobt: "Gut gemacht!" Über ein eingebautes Mikrofon versteht das Gerät auch geklatschte Antworten. Und wenn man eine "Kitzeltaste" drückt, bricht der Computer in digitales Gekicher aus.

Spielzeugcomputer wie der "Living Laptop" verkaufen sich gut in diesem Weihnachtsgeschäft. In Warenhäusern und Spielwarengeschäften sind ganze Regalwände für die bunten Plastikkistchen freigeräumt worden, die Kinder an die Rechner heranführen sollen.

Rechnen und Klavier spielen

Ihre Verkaufszahlen reichen vielleicht nicht an die Pokemons und Dreamcast-Computerspiel-Konsolen heran. Aber allein im vergangenen Jahr wurden vom "Mini-Laptop" von Ravensburger, der für 79 Mark angeboten wird, bereits 30 000 Exemplare verkauft. In diesem Jahr erwartet man bei der süddeutschen Spielwarenfirma einen ähnlich guten Absatz des neu auf den Markt gekommenen "Living Laptops", der 139 Mark kostet.

Gerade bei Spielzeugcomputern für jüngere Kinder habe die Nachfrage zugenommen, sagt Stefanie Stiefenhofer, Pressesprecherin von Ravensburger Electronics. Kindercomputer von ihrer Firma und von ihrer größten deutschen Konkurrenz Vtech sind bereits für Vierjährige erhältlich. Für noch jüngere Kinder gibt es elektronische Stoffpuppen, deren eingenähten Mini-Computern man das Alphabet beibringen kann oder die mit Krabbelkindern das Kopfrechnen üben.

"Brumm", der "interaktive Bär" von Ravensburger, macht mit Dreijährigen Buchstabenspiele; auf dem Alpha-Bert von Vtech kann man nicht nur Rechnen lernen, sondern auch Klavier spielen. Außerdem hebt das Werbematerial der Firma die "freundliche Stimme" des Geräts hervor. Für ältere Kinder bietet der Spielzeughersteller aus Filderstadt sogar schon Tintenstrahldrucker, eine Digitalkamera und ein Modem an.

Sie alle richten sich an Eltern, die ihre Kinder auf die Informationsgesellschaft vorbereiten wollen. Einen "sanften Einstieg in die Computerwelt" verspricht Wolfram Reichwein, Redakteur von Ravensburger Electronics, den Kids, die sich von dem "Junio PC Flash", dem "Profi PC Power-Laptop" oder dem "Champion PC Ultra Slim" an die Hand nehmen lassen.

"Bei den Lerncomputern kommt meist Elternwunsch und Kinderwunsch zusammen", sagt Bernd Pfeiffer von Vtech. "Kinder wollen etwas Eigenes haben, das sie nicht mit ihren Eltern teilen müssen." Schon aus Gründen der Geheimhaltung wollen sie lieber einen eigenen Lerncomputer als am PC der Eltern mitmachen zu dürfen. Notizen oder die Adressen und Telefonnummern von Freunden würde man lieber auf einem eigenen Gerät speichern als auf der Festplatte des Vaters.

Die Rechner von Vtech können allerdings auch an den Rechner der Eltern angeschlossen werden, um zum Beispiel Texte weiterbearbeiten zu können. Außerdem hat die Firma einen eigenen Online-Dienst entwickelt, bei dem die Kids E-Mail-Freundschaften schließen können. Schließlich haben nicht alle Eltern einen Multimedia-PC zu Hause, mit dem die Kinder den Umgang mit Computern üben können.

Doch trotz vieler Funktionen und obwohl die Geräte schon fast wie der Laptop der Eltern aussehen, können sie längst nicht alles, was ein "großer" Computer kann. Schon die bunte, äußere Gestaltung ist kindlichen Bedürfnissen angepasst: "Die Tastatur und die Maus sind für Kinderhände gemacht", sagt Reichwein.

Abstürzen können die Minirechner im Gegensatz zu Windows-Computern nicht. Die LCD-Bildschirme setzten die Kinder nicht der Strahlenbelastung von großen PC-Monitoren aus. Auch Angst vor Viren oder problematischen Inhalten aus dem Internet müssten Eltern bei den Mini-Rechner nicht haben, sagt Bernd Pfeiffer von Vtech.

"Wir empfehlen sie nicht"

Freilich sind nicht alle so begeistert von den Lerncomputern wie ihre Hersteller. "Die Kinderrechner sind in ihren Möglichkeiten schnell erschöpft", findet zum Beispiel Ingetraud Palm-Walter vom Arbeitsausschuss Kinderspiel und Spielzeug. "Wir empfehlen sie darum nicht."

Knapper fällt das Urteil von dem Berliner Journalisten Thomas Feibel aus, der sich auf Kindersoftware spezialisiert hat: Er hält die Kinder-PCs schlicht für "Schrott".

"Sie wecken ein Bedürfnis, das sie nicht erfüllen können", glaubt er. "Die Kinder sind mit den Geräten schnell durch, und dann werden sie langweilig." Das läge auch daran, dass es bei den wenigsten Kinder-PCs Möglichkeiten zum Nach- und Aufrüsten gäbe. Im Gegensatz zu normalen Rechnern gäbe es für die Kinder-PCs kaum neue Software.

Beide Experten warnen davor, Kinder im Umgang mit Computern zu unterschätzen: "Kinder wollen ernst genommen werden", sagt Palm-Walter, "Man sollte sie nicht mit einem Mini-PC abspeisen."

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