Meist läuft die Geschichte etwa so: da sind drei bis sechs junge Männer, die kennen sich aus dem Internat, aus dem Betriebswirtschaftstudium oder einfach nur so. Oft haben sie im Nachnamen ein "von". Und vor zwei Jahren haben sie zusammengesessen und geredet, und dann hat plötzlich einer von ihnen gesagt: "Das und das müsste es im Internet geben." Sagen wir mal, Katzenstreu.

So was nennt man eine "Geschäftsidee". Und wenn die drei bis sechs jungen Männer anfangen, sich nach Geldgebern umzusehen, nennt man sie "Gründer". Wenn es ihnen gelingt, für die Katzenstreu im Internet Risikokapital aufzutreiben und ein Büro anzumieten (das sich idealerweise in einer Fabriketage in Prenzlauer Berg befindet), heißen sie "erfolgreiche Gründer".

Wenn sie es schaffen, ein, zwei Jahre mit ihrer Geschäftsidee durchzukommen, ohne dass ihnen das geliehene Kapital ausgeht, nennt man sie "Visionäre". Und wenn es ihnen gelingt, ihre Firma für bares Geld an ein anderes Unternehmen zu verkaufen, dann sind sie "Genies".

Seit Mitte der 90er-Jahre sind in Deutschland eine Reihe von Jungs-Cliquen mit Geschäftsideen wie "Katzenstreu im Internet" reich geworden. Viele waren es nicht. Aber trotzdem berichten sogar "Stern" und "Brigitte" aus dem neu entstandenen Start-up-Milieu.

Dort fand man Tischtennisplatten in den Bürolofts, die Angestellten tranken täglich bis zu zehn Tassen Cappuccino auf Kosten der Firma, alle arbeiteten 14 Stunden pro Tag und amüsierten sich dabei noch königlich. Arbeitgeber, die in anderen Branchen als Ausbeuter und Räuberbarone betrachtet würden, galten hier als brillante Vordenker der New Economy. Viel verdienen konnte man nicht, aber alle, die in den Internet-Firmen arbeiteten, bekamen "Stock Options", die sie nach dem Börsengang ihrer Firma reich machen würden. Vielleicht sogar zu Millionären.

Danach sieht es Ende 2000 nicht mehr aus. Nach dem tiefen Fall der Nasdaq und des Neuen Marktes sind die Perspektiven der New Economy düster. Viele Junggründer, die sich Anfang des Jahres Hoffnungen auf schnellen Reichtum machten, sind nun froh, wenn ihre Firmen das Jahr 2000 überleben.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag wurde der "Berliner Zeitung" ein Laptop zugespielt, auf dem das Tagebuch eines Start-up-Gründers gespeichert ist. Wir zitieren einige Eintragungen, die das turbulente Jahr 2000 aus der Perspektive eines Internet-Unternehmers beschreiben.