REUTERS/JONATHAN DRAKE Auch MP3s der Sängerin Pink werden bei den Musiktauschbörsen im Internet getauscht
Mehrere Tage lang waren Zehntausende von Nutzern von der Internet-Tauschbörse Morpheus abgeschnitten. Morpheus gehört zu einer Reihe von Musiktauschbörsen, die als "Napsters Erben" bekannt geworden sind.
Wie Napster sind Morpheus sowie Kazaa und Grokster Filesharing-Angebote, bei denen die User MP3-Dateien online tauschen. Dabei werden Musikstücke direkt vom Computer eines Nutzers auf den eines anderen übertragen. Während bei Napster die Daten, welches Stück sich auf welchem Rechner befindet, noch auf einem Zentralcomputer gespeichert war, sind die neuen Filesharing-Angebote vollkommen dezentral. Auf welchem Computer welche Datei liegt - diese Information wandern über das Netz von einem Rechner zum anderen.
Programme gesperrt
Am gestrigen Dienstag hat Niklas Zennstrom, Chef der holländischen Firma Fast Track, nun bekannt gegeben, was bei Morpheus geschehen ist. Nach seiner Darstellung habe die Firma, die Morpheus betreibt, ihre Rechnung für die Software Fast Track, mit der die Tauschbörse läuft, nicht bezahlt. Daraufhin habe seine Firma ihre Programme gesperrt.
Seit einigen Tagen bietet Morpheus nun ein neues Programm an, mit dem man wieder Musik und Filme per Filesharing im Internet tauschen kann. Allerdings findet dies nicht mehr über das Netzwerk von Fast Track, sondern über das alternative System Gnutella statt.
Die abrupte Sperrung von Morpheus bringt die Firma in eine schwierige juristische Lage: die Betreiber der Musiktauschbörse haben in der Vergangenheit immer wieder behauptet, sie könnten nicht kontrollieren, welche urheberrechtlich geschützten Songs Durch die vollkommene Sperrung der Fast Track-Software ist dieses Argument nun fragwürdig geworden.
Wenn man das Programm, auf dem sowohl Morpheus wie Grokster und Kazaa basieren, auf einen Schlag sperren kann - wie kann es dann sein, dass man nicht überwachen kann, welche Inhalte mit diesem System getauscht werden? Diese Frage stellten Anwälte der amerikanischen Industrie beim Auftakt eines Verfahrens, das seit Anfang der Woche in den USA gegen Grokster, Kazaa und Morpheus läuft.
Die amerikanische Musik- und Filmindustrie hatte die Filesharing-Firmen im vergangenen Jahr verklagt. Die Verteidigungsallianz der drei Napster-Erben ist in der Zwischenzeit durch die undurchsichtigen Vorgänge um Morpheus zerbrochen.
Bis vor einer Woche benutzten sie alle dieselbe Software für ihr Netzwerk: Fast Track, zu der die Unternehmen lediglich verschiedene Zugänge zur Verfügung stellten. Aus diesem Netz ist Morpheus nun ausgeschlossen. Die Software von Fast Track stammt von einer Firma aus Amsterdam. Als diese Ende vergangenen Jahres von der Buma/Sterna, einer holländischen Urheberrechts-Agentur ähnlich der deutschen Gema, verklagt wurde, verkaufte sie ihr Programm kurzerhand an eine australische Firma namens Sherman-Networks - offenbar um sich
Bei Sherman-Networks scheint es sich um eine Briefkastenfirma zu handeln: Das Unternehmen steht nicht im Telefonbuch und hat weder Website noch Büroräume. Diese Firma betreibt offenbar neuerdings das größte Filesharing-Netzwerk der Welt.
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Lediglich der Name des Besitzers des Unternehmens ist bekannt: Nikki Hemming, ein australischer Internet-Geschäftsmann. Weder Sherman-Networks noch die Presseagentur von Fast Track beantworten zurzeit Presseanfragen.
Inzwischen können die Morpheus-User mit einem neuen Programm wieder Musik und Filme tauschen: wer sich das Programm "Morpheus Preview Edition" herunterlädt, hat nun Zugriff auf das Filesharing-Netzwerk Gnutella. Gnutella, eine kleines und noch dezentraleres Netz als Fast Track, wurde bisher allerdings selten von mehr als 10 000 Usern benutzt. Ob es dem Ansturm der neuen Kunden standhält, bleibt abzuwarten. Sowohl Kazaa wie Grokster versuchen zurzeit, die ehemaligen Morpheus-User abzuwerben.