AP/CHRISTOF STACHE Die Hochzeit von H. Lauterbach und V. Skaf wurde von Bild. de vermarktet.
Das Ende der Kostenloskultur" im Internet hatte Thomas Holtrop im vergangenen Jahr angekündigt. Der Unsitte, Medienangebote im Internet umsonst anzubieten, wollte der T-Online-Chef ein Ende bereiten. Dafür hatte er sich einen mächtigen Partner gesucht: die Bild-Zeitung und deren Website www.bild.de. In einem neuen Unternehmen namens Bild.de/T-Online wollte man die Konkurrenz das Fürchten und die Internet-Surfer das Zahlen lehren.
Nun hat das Bundeskartellamt die beiden Unternehmen abgemahnt: die vorgesehene 37-prozentige Beteiligung von T-Online an Bild.de könne den Wettbewerb unter Online-Medien einschränken. Wenn das Kartellamt bei seinen Bedenken bleibt, und danach sieht es aus, kann sich T-Online nach einem neuen Partner umsehen, der journalistische Inhalte für seine Webseiten liefert - und zwar solche, für die Netzsurfer zu zahlen bereit sind.
Dabei hätte alles so schön sein können - jedenfalls für T-Online und "Bild": die Kunden des Online-Dienstes sollen auf dessen Website für besonders attraktive Inhalte kleine Summen entrichten. Praktischerweise kann T-Online diese Gebühren gleich auf die Telefonrechnung setzten; bei anderen Internet-Angeboten gibt es diese Form des Micro-Payments nicht.
Bei Bild.de hatte man bereits mit Pay-per-View-Angebote herumprobiert: Ultraschallaufnahmen vom Uterus der schwangeren Jenny Elvers waren auf der Website von Bild für ein Entgeld einzusehen. Eine derartige Erlösquelle hat T-Online bitter nötig: die Einkünfte, die man als Online-Dienst erzielt, reichen nicht aus, um den defizitären Konzern aus den roten Zahlen zu retten.
Das dürfte schwierig werden, denn alles, was T-Online auf seinen Websites für Geld anbieten könnte, gibt es anderswo im Internet umsonst: Nachrichten, Filmberichte, Börsenkurse, Wetterbericht und die sonstige Standardausstattung einer Portalsite Aber auch Computergames wie das "Werner-Spiel", das bei T-Online zur Zeit für drei Euro zum Download angeboten wird, sind auf vielen anderen Websites gratis zu finden. Ob da genug Websurfer bereits sind, für "Werner" Geld auszugeben? Zweifelhaft.
Die Internetnutzer sind daran gewöhnt, dass es im Netz so gut wie alles umsonst gibt. Nur wenige spezialisierte Fachangebote können Geld für ihre Inhalte verlangen; Publikumstitel sind mit dem Versuch, ihre Inhalte zu verkaufen regelmäßig gescheitert. Auch wenn derzeit wieder zu hören ist, dass man bei Spiegel, Gruner + Jahr, der WAZ-Gruppe und Focus über Gebühren für Online-Angebote nachdenkt - noch immer fehlt sowohl ein Inkassosystem wie die Kundschaft, die bereits ist, für Informationen im Während das wesentlich teurer zu produzierende TV von Privatsender umsonst und werbefinanziert ausgestrahlt wird, sollen Netzangebote kostenpflichtig sein? Das ist dem Surfer kaum zu vermitteln.
Für T-Online dürfte es ohne den Klatsch und Tratsch aus der Bild-Zeitung noch schwerer werden, zahlende Kunden zu finden. "Wenn wir das nicht schaffen, wer dann?" hatte Thomas Holtrop vor knapp einem Jahr gefragt. Die Frage bleibt. Bei T-Online dürfte auf jeden Fall das Ende vom Ende der Kostenloskultur angebrochen sein.