Nur wenige deutschsprachige Nachrichten-Sites waren dem Ansturm der Internet-Surfer gewachsen, der nach den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon einsetzte. Am Dienstagnachmittag waren Websites wie die von "Focus", "FAZ" kaum oder gar nicht zu erreichen. Auch am Mittwoch waren Angebote wie die der Nachrichtensendern N-TV oder N24 schlecht verfügbar.

Die Internetangebote der meisten öffentlich-rechtlichen Anstalten brachen unter dem Interesse an Nachrichten über die Terroranschläge in den USA schlicht zusammen. Die Websites von "heute" und dem Nachrichtenkanal "Phönix" waren auch am Mittwoch kaum zu erreichen. Das Fernsehprogramm von ARD und ZDF live am PC zu verfolgen war den ganzen Tag über - wenn überhaupt - nur mit Unterbrechungen möglich. Dirk Max Johns vom ZDF sagte gegenüber der "Berliner Zeitung" zwar, dass sein Sender "intern optimal ausgestattet" sei und die Störungen mit dem Internet zusammenhingen, das generell überlastet sei. Das Live-Programm von RTL war allerdings am Mittwochnachmittag wieder problemlos zu sehen.

Auch Netzfirmen wie konnten keine generelle Zunahme des "Traffics" im Internet feststellen. "Es ist meist nicht das Netz, mit dem es Probleme gibt, sondern die Servercomputer, die für solche Vorfälle oft unterdimensioniert sind", sagt Olaf Jüpner von der Internetfirma Decix. Bei dem Karlsruher Internetprovider Schlund & Partner ging die Zahl der Zugriffe sogar um 50 Prozent zurück - die Firma hat unter ihren Kunden keine Anbieter von Nachrichten.

Kein Fernseher im Büro

Eine öffentlich-rechtliche Ausnahme in punkto Erreichbarkeit war die Homepage der "Tagesschau", obwohl sich die Zahl der Zugriffe auf www.tagesschau.de ab Dienstag um 16 Uhr verzwanzigfacht hatte. Redaktionsleiter Jörg Sadrozinski hatte das Webangebot reduziert, um die vorhandenen Kapazitäten ganz auf Informationen zu den Anschlägen zu lenken. Auch die Texte und Fotos wurden reduziert, um die Ladezeiten so kurz wie möglich zu halten. Die Kollegen von SWR und NDR halfen mit Serverplatz und Online-Verbindungen aus. "Viele Leute haben am Arbeitsplatz keinen Fernseher, wollten aber trotzdem wissen, was in den USA los ist", glaubt Sadrozinski. "Darum haben sie im Büro im Internet nach Informationen gesucht."

Als einziges deutschsprachiges Internet-Nachrichtenangebot war "Spiegel-Online" durchgehend gut zu erreichen. Der technische Leiter Bernhard Horstmann hatte schon am Dienstag um 16 Uhr begonnen, zusätzliche Kapazitäten zu sichern. Bei der Internetfirma, die die Website des "Spiegel" vorhält, wurden zu den 14 Computern, von denen die Daten normalerweise abgerufen werden, vier weitere Maschinen aufgebaut. Bei anderen Internetanbietern wurden so genannte "Mirrorsites" angelegt, bei denen man auf die Website von "Spiegel-Online" zugreifen konnte, falls die eigentliche Adresse überlastet war.

Freunde kontaktieren

Nach Angaben eines AOL-Sprechers wurden bei dem Onlinedienst die Telegramm-Funktion und der Instant Messenger, mit dem Nachrichten an andere AOL-Nutzer in Echtzeit verschickt werden können, überdurchschnittlich genutzt. Wer Freunde kontaktieren wollte, sei wegen des überlasteten Telefonnetzes auf diesen Kommunikationskanal ausgewichen.

Unterdessen versuchen so genannte "Domain-Grabber", mit Internetadressen, die sich auf die Katastrophe beziehen, Geld zu machen. Schon am Dienstagabend kursierten E-Mails, in denen Netz-Adressen wie "www.world-trade-center-attack.com", "www.america-attack.com" oder "www.pentagon-attack.com" zum Kauf angeboten wurden.