Der Online-Dienst MusicNet will innerhalb der kommenden sechs Wochen einsatzbereit sein. Das gab Richard Wolpert, strategischer Direktor des Internet-Musikvertriebs, bei einer Pressekonferenz in Los Angeles bekannt. Gleichzeitig sagte er, dass MusicNet seine Technik an seine Geschäftspartner weitergegeben hat und 500 Tester begonnen haben, die Software des Musikvertriebs im täglichen Gebrauch zu testen.
MusicNet wurde im vergangenen Jahr von RealNetworks gegründet, um Musik im digitalen Format über das Internet zu vertreiben. Zu den Firmen, die das Unternehmen unterstützen, gehören inzwischen AOL Time Warner, EMI Bertelsmann und die Independent-Musikfirma Zomba. Durch diese Vereinbarungen hat MusicNet Zugriff auf die Musik von allen Künstlern, die von diesen Medienfirmen vertrieben werden. Zum Start von MusicNet sollen etwa 100 000 Stücke von Künstlern wie Janet Jackson, Madonna, R.E.M. und Depeche Mode zur Verfügung stehen.
Konkurrenz heißt Pressplay
Allerdings: die beiden Branchenriesen Sony und Universal fehlen bei der Kooperation. Da sich die Plattenfirmen bislang nicht über die Lizenzierung der Musikrechte einigen konnten, gibt es bei MusicNet zum Beispiel keine Stücke von Sony-Stars wie Michael Jackson, Bob Dylan, Wu Tang Clan, Bruce Springsteen oder Ricki Martin.
Sony und Universal planen nämlich einen eigenen Download-Dienst namens Pressplay, der nach Angaben von Universal-Chef Jean Marie Messier ebenfalls im "vierten Quartal" ans Netz gehen soll. Ursprünglich war als Starttermin der September angegeben worden, aber wegen des Angriffs auf das World Trade Center wurde das Debüt der Firma verschoben.
Universal hat im Sommer die Internet-Firma MP3.com gekauft - unter anderem, um deren Vertriebstechnologie für Musik im Internet zu verwenden. Zum Herunterladen angeboten werden soll Musik unter anderem über die Websites der Suchmaschine Yahoo und von Microsoft Network (MSN). MusicNet kooperiert unter anderem mit AOL, um sein Angebot bekannt zu machen.
Der Preis, zu dem man bei MusicNet Songs herunterladen kann, ist noch nicht bekannt. Gegenüber Journalisten gab Richard Wolpert allerdings an, dass ein Preismodell diskutiert wird, bei dem man für zehn Dollar im Monat 50 Stücke herunterladen und 50 weitere anhören kann. Den endgültigen Preis bestimmen aber die Kooperationspartner, die mit Hilfe der MusicNet-Technologie Musik über ihre eigenen Websites vertreiben werden.
Rekord-Benutzerzahlen erwartet man bei MusicNet am Anfang nicht. "Wir glauben, dass es in den ersten zwölf Monaten keine signifikante Zahl von Nutzern geben wird", sagt Wolpert. "Es werden nicht gleich eine Million Leute sein." Das könnte nicht zuletzt daran liegen, dass die Musikdateien, die man bei MusicNet herunterlädt, nicht kopiert werden können. Sie müssen auf dem eigenen Computer gehört werden und können nicht auf CD gebrannt oder auf einen MP3-Player übertragen werden.
Sowohl Pressplay wie MusicNet sind Reaktionen der großen Medienkonzerne auf die inzwischen geschlossene Musiktauschbörse Napster. Anders als bei den neuen Angeboten konnten die Nutzer von Napster Musik auf ihrer Festplatte direkt und ohne Bezahlung untereinander tauschen. Dieser Dienst wurde eingestellt, nachdem die Recording Industry Association of America (RAA) Napster verklagt hatte. Eine Reihe von ähnlichen Diensten wie Aimster, Freenet, Gnotella oder Audiogalaxy streiten derzeit um die Nachfolge.
Wann eine neue, kostenpflichtige Version von Napster ans Netz geht, ist nach wie vor unklar. Zwar hat das Unternehmen sich inzwischen gütlich mit den Musikverlagen geeinigt und 36 Millionen Dollar für die Rechte an Popsongs gezahlt, die nun über Napster vertrieben werden können. Einen Starttermin für "Napster 2.0" gibt es aber immer noch nicht.
100 Millionen Dollar für Napster
Der amerikanische Branchendienst CNet berichtet, dass Bertelsmann, die eine Beteiligung an Napster halten, über 100 Millionen Dollar in die Firma gesteckt haben soll. Der deutsche Medienkonzern hat Napster bereits im vergangenen Jahr mit 60 Millionen Dollar Kredit ausgeholfen und soll nun auch die Rechnung für die Musikrechte beglichen haben. Bertelsmann will die Zahlen nicht kommentieren.