Ich arbeite gerade an einem freien Betriebssystem, nur als Hobby, nichts Großes und Professionelles." So begann eine kurze Message, die ein norwegischer Informatik-Student am 25. August 1991 im Internet veröffentlichte. Sieben Jahre später trat derselbe Programmierer bei einer Computermesse zum ersten Mal vor ein amerikanisches Publikum und stellte sich dort mit dem Worten vor: "Ja, ich bin Linus Torvalds, und ja, ich bin euer Gott."

Das Hobby-Programm, an dem Torvalds vor genau zehn Jahren zu arbeiten begann, ist heute als Linux bekannt. Und ja, die Inbrunst, mit der viele der Linux-Benutzer das Programm und seinen Schöpfer verehren, grenzt ans Religiöse. Denn aus dem Studenten-Projekt von einst ist inzwischen ein funktionstüchtiges Betriebssystem geworden. Es gilt als besser und stabiler als Windows, läuft heute auf über sieben Millionen Computern auf der ganzen Welt, setzt bei tausenden von Firmen Programmierer in Lohn und Brot, und wird von Computerkonzernen wie IBM, Oracle und Microsoft sehr ernst Für die Mehrheit der Privatanwender ist Linux bis heute allerdings zu schwer zu bedienen. Seine eingeschworenen Fans feiern den Geburtstag von Linux freilich mit großen Partys rund um die Welt.

Ohne Bezahlung

Linux widerspricht sämtlichen Prinzipien, nach denen im Kapitalismus normalerweise gewirtschaftet wird: Das Programm gehört niemand. Jeder kann die neueste Version kostenlos aus dem Internet herunterladen und seinen Quellcode einsehen und verändern, der bei kommerziellen Programmen ein streng gehütetes Geheimnis ist. Das Programm wird von einem weltweiten Netzwerk von Top-Programmierern weiterentwickelt, die ehrenamtlich online zusammenarbeiten.

Geleitet wird dieses Mammut-Unternehmen bis heute von Torvalds, der inzwischen für eine Firma in den USA arbeitet und trotz des Riesenerfolgs von Linux kein Millionär geworden ist. Und der nun, gerade mal 32, seine Autobiografie "Just for Fun" veröffentlicht hat. Anhängern der in Linux-Fankreisen üblichen Linus-Verehrung liefert das Buch neue Materialien.

Linus bekommt von seinem Großvater den ersten Computer! Er schreibt sein erstes Basic-Programm! Er entwickelt den Linux-Kernel! Er veröffentlicht die erste Version von Linux auf dem Server seiner Universität! Der im Großen und Ganzen bekannten Linus-Mythologie fügt das Buch vor allem neue Details hinzu.

Auch Menschen, die nicht Informatik studiert haben, können dank des lesbaren Schreibstils von Torvalds Ko-Autoren David Diamond nachvollziehen, wie Linux entstanden ist, und worin seine gesellschaftliche und technische Relevanz besteht. Torvalds Gedanken über Gott und die Welt im letzten Drittel des Buchs hätte die Welt allerdings nicht unbedingt gebraucht.

Linus Torvalds; David Diamond: Just for Fun. Oder wie ein Freak die Computerwelt revolutionierte, Hanser, München 2001, 39,80 Mark