Der Krieg um den Kosovo war der erste Internet-Krieg

Von Tilman Baumgärtel

Es war ein Treffen hinter verschlossenen Türen. Auf Einladung der Air Force Association trafen sich Anfang März in San Antonio, Texas, hochrangige amerikanische Generäle und andere Militärs. Daß an selben Tag die ersten NATO-Bomben auf Jugoslawien fielen, war kein Zufall. Bei ihrem streng gheimen Meeting wollte die amerikanische Luftwaffe mehr über eine neue Methode der Kriegstaktik erfahren, die sie in Jugoslawien einzusetzten hoffte: „Info War“ (Informationskrieg), der Einsatz von Computern und Computernetzwerk wie dem Internet zur Kriegführung.

General John Jumper, der Kommandeur der U.S. Air Forces in Europa, war per Satellit aus seinem deutschen Hauptquartier zugeschaltet. „Ich hatte in den letzten 48 Stunden wenig Schlaf, und bin deswegen vielleicht nicht so aufmerksam und gut vorbereitet, wie ich es gerne wäre“, entschuldigte er sich. Doch dann kam Jumper schnell zu Sache, wie Dokumente zeigen, die die „Washington Post“ jetzt in ihrer Internet-Ausgabe veröffentlicht hat. Sein Fazit zum Thema „Cyber-Krieg“: „In punkto Informationskrieg sind wir einfach noch nicht weit genug.“

Sein Kollege Brigarde General John B. Baker, Kommandeur der Air Intelligence Agency, der direkt aus dem Pentagon nach San Antonio gekommen war, teilte diese Meinung: „Die technischen Entwicklung ist noch nicht so weit fortgeschritten, daß wir die Nullen und Einsen im Computer für unsere militärischen Zwecke nutzen könnten.“ In seiner Rede kam Baker zu einem Schluß, dessen Logik wohl nur andere Militärs nachvollziehen können: „Kriegsführung, die sich auf das Auslösen von Informations-Prozesse beschränkt, bietet einfach nicht die visuell ansprechenden Zerstörungen, die eine gut plazierte Bombe auslösen kann.“

Die Herren Komandeure sollten nicht recht behalten: zwei Monate später deckte das amerikanische Nachrichtenmagazin „Newsweek“ Pläne des amerikanischen Präsident Clinton auf, die sich wie praktische Beispiele für einenn Cyber-Krieg lesen. Die Luftangriffe der NATO schienen zu dieser Zeit noch keinen Eindruck auf den jugoslawischen Präsidenten Milosevic zu machen. Darum legte der CIA Clinton eine Reihe von Vorschlägen vor, wie man „Milosovic dran kriegen“ könnte. Einige dieser Ideen waren bekannte Sabotage-Methoden: Telefonleitungen zerschneiden, Notrationen vergiften, Benzinreserven mit Wasser unbrauchbar machen.

Doch eine Idee, an der Clinton besonders viel Gefallen fand, scheint direkt aus einem Hollywood-Film a la „War Games“ zu stammen: Warum nicht, so schlug der CIA vor, „ein bißchen mit Milosevics Bankkonto rumspielen?“ Computerhacker sollten im Auftrag der amerikanischen Regierung die privaten Konten des jugoslawischen Präsidenten in Russland, Griechenland und Zypern knacken und die Dollar-Millionen stehlen, die Milosevich dort angeblich gehortet hat. Erst die Veröffentlichung in „Newsweek“ machte diesen Plänen ein Ende.

Während in Pentagon und im Weißen Haus in Washington solche unfreiwillig komischen Ideen ventiliert werden, hatten die Jugoslawen den Info-War freilich längst begonnen. Der Krieg um den Kosovo war der erste Netzkrieg. Geführt wird er allerdings nicht von hochrangigen Militärs, sondern von ganz normalen Internet-Nutzern. Dazu gehörten Hacker aus der ganzen Welt, denen es während des Kriegs immer wieder gelang, die Server-Computer

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