Bis 1998 bestimmte die US-Regierung // Icann (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) ist eine regierungsunabhängige Organisation zur Verwaltung der Internet-Adressen und existiert seit Oktober 1998.

Den Vorstand von Icann bildeten nach der Gründung zunächst neun Direktoren. Im November 1999 kamen neun weitere Direktoren hinzu, die von drei Organisationen entsandt wurden, die Icann unterstützen.

Die neun ursprünglichen Direktoren sollen nach und nach durch im Internet gewählte Mitglieder ersetzt werden. Bei der Wahl wurden jetzt zunächst fünf Direktoren gewählt.

An der Wahl für die Regionalvertreter konnte jeder Internetnutzer teilnehmen, der sich rechtzeitig dafür registrieren ließ.

Bevor Icann gegründet wurde, regelte die US-Regierung zusammen mit beauftragten Firmen die Organisation des globalen Computernetzes. Diese US-Dominanz wurde in vielen Ländern kritisch gesehen.

So hat die Firma Network Solutions seit 1992 die Vergabe von Web-Adressen im Auftrag der US-Regierung koordiniert. Wegen finanzieller Probleme stimmte Icann 1999 zu, dass Network Solutions vier weitere Jahre die Masterliste der Internetadressen verwaltet. Dafür zahlte die Firma 1,25 Millionen Dollar an Icann.

Die Organisation im Netz unter: www. icann. org BLZ/KAY HERSCHELMANN So sieht s aus bei Hackers auf dem Sofa: der ChaosComputerClub (CCC) beim jährlichen Treffen in Berlin. Andy Müller-Maguhn, der Sprecher des CCC, ist gestern ins Direktorium der Icann gewählt worden.

DPA/FRANK LEONHARD Andy Müller-Maguhn (29), Hacker und Sprecher des ChaosComputerClubs, ist neuerdings auch eins von 19 Mitgliedern des Icann-Direktoriums. Er studiert an der Freien Universität Berlin Informationswissenschaften. Als Beruf gibt er "freier Mensch" und "freier Journalist" an.

BERLIN. 11. Oktober. Das Netz hat entschieden: in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ist der Deutsche Andy Müller-Maguhn (28) von Internetnutzern zu einem von 19 Direktoren der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (Icann) gewählt worden. Mit 5 948 der abgegebenen 11 309 europäischen Stimmen ließ er seine beiden europäischen Herausforderer hinter sich: die Politologin Jeanette Hofmann vom Wissenschaftszentrum Berlin erhielt 2 295 Stimmen. Telekom-Manager Winfried Schüller musste sich mit 990 Wählern zufrieden geben, obwohl er vom Direktorium der Icann vorgeschlagen worden war.

Nun ist der Hacker und Sprecher des ChaosComputerClubs Müller-Maguhn einer der wichtigsten Entscheider in Sachen Internet. Denn als Icann-Direktor wird er über die Einrichtung von "domain names", also die Endungen von Internetadressen wie ".de", mit entscheiden. Die Vergabe dieser knapp gewordenen Adressen ist in den letzten drei Jahren zu einem immer wichtigeren politischen und wirtschaftlichen Thema geworden.

Kompliziertes Wahlverfahren

Müller-Maguhn wurde in der ersten weltweiten Online-Abstimmung mit echter politischer Relevanz gewählt. Etwa 76 000 Netznutzer haben sich für das komplizierte Wahlverfahren registrieren lassen. 34 042 haben tatsächlich an der Abstimmung teilgenommen - was nicht zuletzt daran lag, dass der zentrale Rechner, über den die Wahl abgewickelt wurde, immer Wegen zahlreicher technischer Probleme wurde die Wahl, die eigentlich gestern Nacht um 20 Uhr Ortszeit an der amerikanischen Westküste enden sollte, um eine halbe Stunde verlängert.

Die Online-Wahl, in der fünf Direktoren bestimmt wurden, hatte vom 1. bis zum 10. Oktober gedauert. Von weltweit rund 300 Millionen Netznutzern waren allerdings nur 76 000 registrierte Mitglieder der Icann stimmberechtigt. Von ihnen nahmen 34 Prozent teil. 14 weitere Direktoren werden von der Icann selbst bestimmt.

Die fünf öffentlich gewählten Direktoren sollen jeweils eine Weltregion vertreten: die nordamerikanischen Wähler haben für Karl Auerbach, Mitarbeiter des amerikanischen Hardware-Hersteller Cisco, gestimmt. Wie Müller-Maguhn ist auch Auerbach bisher vorwiegend als Kritiker der Icann aufgetreten. Der Japaner Masanobu Katho von Fujitsu erhielt 13 913 von 17 745 der abgegebenen Stimmen aus Asien und dem pazifischen Raum. Der Brasilianer Ivan Moura Campos wurde von 946 der 1 402 Wahlteilnehmer aus Lateinamerika und der Karibik gewählt; Nii Quaynor aus Ghana schaffte es mit 67 von 130 Stimmen aus Afrika ins Icann-Direktorium.

Demnächst ".shop" und ".sex"

Vor allen 19 Direktoren liegt nun ein anstrengendes Ehrenamt, in dem es außer Reisespesen und einer gewissen internationalen Reputation nichts zu holen gibt. Während des nächsten Icann-Treffen im November soll über die Einrichtung von neuen Top Level Domains wie ".shop" oder ".sex" entschieden werden. Das wird Zeit, denn brauchbare Adressen mit ".com" oder ".de" am Ende gibt es kaum noch.

Mehrere hundert Vorschläge sind bei der Icann bereits eingereicht worden. Andy Müller-Maguhn kritisiert, dass für diese Vorschläge 50 000 Dollar zu entrichten waren, was Privatleute, kleine Unternehmen sowie politische und soziale Initiativen vom Vorschlagsverfahren ausgeschlossen habe: "Ich kann mir vorstellen, dass für Außerdem will er sich bei künftigen Icann-Wahlen für mehr Transparenz und größere Bürgernähe engagieren.

Eine begrüßenswerte Absicht: Obwohl die deutsche Presse ausführlich über die Wahl berichtete, kennen fast zwei Drittel der deutschen Internetnutzer Icann nicht. Das ergab eine Online-Umfrage des Hamburger Forschungsinstituts MediaTransfer. Nur 27,8 Prozent der insgesamt 1 000 Befragten war Icann überhaupt ein Begriff.