Auch wenn sie nicht gewonnen hat, Jeanette Hofmann freut sich trotzdem. "Einen Triumph der Nutzer", nennt die Politologin das Ergebnis der Wahlen zum Direktorium der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (Icann), bei der sie kandidiert hat.
Und in der Tat: Mit der Wahl von Andy Müller-Maguhn in Europa und Karl Auerbach in Nordamerika haben die Netznutzer ihren Willen deutlich artikuliert. Sie haben zwei Vertreter gewählt, die sich für ein freies und unabhängiges Internet engagieren. Ein Internet, das nicht von den Interessen derjenigen dominiert wird, die im Netz Geld verdienen wollen. Winfried Schüller von der Deutschen Telekom, der von Icann als Kandidat vorgeschlagen worden war und als sein wichtigstes Ziel die Einführung der Internetadress-Endungen ".shop" und ".bank" angab, musste dagegen eine Wahlschlappe hinnehmen.
Das soll nicht heißen, dass mit dem Ende der Wahl nun alles in Ordnung wäre. Ob eine Abstimmung, an der sich 34 000 von schätzungsweise 350 Millionen Internetnutzern beteiligen, demokratisch genannt werden kann, ist zweifelhaft. Dass von den Menschen, die es trotz Rechnerabstürzen und Wahlchaos geschafft haben, ihre Stimme abzugeben, nur 130 aus Afrika kommen, ist auch kein Zeichen globaler Demokratie. Auch dass zu den neuen Icann-Direktoren keine einzige Frau gehört, spricht nicht für eine freie und gleichberechtigte Wahl.
Ein Erfolg ist jedoch, dass es überhaupt gelungen ist, eine weltweite Wahl zu einem relativ wichtigen Internetgremium über das Netz abzuwickeln. Dass die Icann durch dauernde Satzungsänderungen und regelmäßiges technisches Chaos zu deren Gelingen wenig beigetragen hat, sei ihr nachgesehen, weil es die erste derartige Wahl war. Ein Tohuwabohu wie bei dieser Abstimmung darf es freilich beim nächsten Mal nicht wieder geben.
Wenn es denn ein nächstes Mal überhaupt gibt: Die Icann hat eine Studie zur Wahl in Auftrag gegeben. Die könnte durchaus ergeben, dass die Beteiligung der Nutzer an Gremien wie der Icann überflüssig ist. Dann war die erste Icann-Wahl auch die letzte. Und das wäre das schlimmste Resultat dieser Abstimmung.