Und wieder ziehen zwei defizitäre Internet-Firmen die Notbremse. "Tomorrow Internet" und "Focus Digital" wollen fusionieren, wie die beiden Unternehmen am Mittwoch bekannt gaben. Doch die beiden Unternehmen sind keine "gewöhnlichen" Start-ups, die von ambitionierten Unternehmern mit Risikokapital gegründet wurden. Vielmehr sind sie Töchter von großen deutschen Verlagen: "Focus Digital" vom Münchner Burda Verlag ("Focus", "Bunte", "Freizeitrevue"), "Tomorrow Internet" von der Hamburger Verlagsgruppe Milchstraße ("Max", "TV Spielfilm", "Amica", "Cinema").

Am Neuen Markt notiert

Die neue Firma soll "Tomorrow Focus AG" heißen, und die Internetaktivitäten der Verlage Burda und Milchstraße bündeln. Die Vorstände der am Neuen Markt notierten Unternehmen verhandeln zur-zeit über die Verschmelzung. Ob dabei ein Unternehmen das andere übernimmt oder eine neue Firma gegründet wird, ist noch nicht entschieden. Das Unternehmen soll sowohl in München wie Hamburg Büros haben.

Als Vorstandschef der neuen Gesellschaft ist der bisherige "Focus-Digital"-Chef Jörg Bueroße vorgesehen. Christian Hellmann, Vorstandsvorsitzender bei "Tomorrow Internet", solle nach Beendigung der Fusion in den Aufsichtsrat der Tomorrow Focus AG wechseln. Zurzeit bestimmen Wirtschaftsprüfer den Wert der Firma. Details über den Zusammenschluss, der wahrscheinlich durch einen Aktientausch stattfinden wird, sollen Anfang September bekannt gegeben werden.

Zurzeit machen sowohl "Tomorrow Internet" wie "Focus Digital" hohe Verluste. Auch die Aktienkurse sanken seit dem Börsengang bei beiden Firmen immer weiter ab. "Wir haben unseren Einstiegskurs nicht wiedergesehen", muss "Focus-Digital"-Sprecherin Ariane Meinert zugeben.

Von der Fusion versprechen sich die beiden Gesellschafter, die zusammen 18 Online-Portale aus den Bereichen Nachrichten, Wirtschaft, Reise, Erotik, Entertainment und Immobilien publizieren, deutliche Kosteneinsparungen. Der Zusammenschluss soll zu Synergien bei Technik, Verwaltung und Marketing führen.

"Wir sind nach der Fusion das Unternehmen, das in Deutschland die größte Reichweite im Internet hat", sagt Jörg Bueroße, der derzeitige Vorstandsvorsitzende von "Focus Digital". "Wenn die werbetreibende Industrie auf einen Schlag sehr verschiedene Zielgruppen erreichen will, können sie das über unsere Internetangebote mit einem Schlag."

Die neue Firma muss in Zukunft nur noch einmal für das Abonnement von Nachrichten- und Bildagenturen und andere redaktionelle Dienstleistungen zahlen. Und auch durch den Austausch von redaktionellen Inhalten soll Geld gespart werden. So kauft zum Beispiel "Focus Online" im Augenblick ein Fernsehprogramm von einer Agentur an, das sie in Zukunft auch von der Website von "TV Spielfilm" übernehmen könnte.

"Wir haben ein ähnliches Geschäftsmodell, aber komplementäre Inhalte", sagt Kay Oberbeck, Sprecher von "Tomorrow Internet". " Focus Digital ist bei den Nachrichten sehr gut aufgestellt, die Milchstraße hat interessante Entertainment-Angebote. Wir glauben, dass wir uns da sehr gut ergänzen."

Die Einstellung von Web-Angeboten aus Kostengründen ist nicht geplant. Allerdings werden Mitarbeiter gehen müssen. Bei einer Betriebsversammlung in Hamburg wurde bereits angekündigt, dass bis zu 40 der 240 Mitarbeiter von "Tomorrow Internet" entlassen werden sollen. Bei "Focus Digital" schweigt man noch dazu, wie viel der etwa 300 Angestellten nicht in das neue Unternehmen wechseln werden.

Börse reagiert positiv

Die Börse reagierte auf den Zusammenschluss positiv: die Kurse von "Focus-Digital" und von "Tomorrow Internet" stiegen am Mittwoch zeitweise um 30 Prozent an, bevor sie am Nachmittag unter "Mitnahme-Effekten" zu leiden begannen.