Hamburg - Das amerikanische Internet-Auktionshaus eBay war in der letzten Zeit häufiger in den Schlagzeilen, als dem Unternehmen lieb sein dürfte. Fast täglich wurde über eBay in der Internet-Presse berichtet und meist waren es keine guten Nachrichten.
Da war zum Beispiel der 13jährige Teenager aus New Jersey, der bei einem Einkaufsbummel bei dem Internet-Auktionator Waren für knapp 3 Millionen Mark ersteigerte unter anderem das Bett des ersten kanadischen Premierministers Sir John A. Macdonald, das für läppische 400.000 Dollar angeboten wurde. eBay entschuldigte sich bei den Eltern und mußte zugeben, daß sie das Alter ihrer Kunden nicht ermitteln.
Dann fand ein Reporter der New York Times heraus, daß es bei dem Internet-Auktionator auch Waffen zu kaufen gab. So fanden sich im Angebot gar halbautomatische Waffen des Typs, mit dem Rechtsradikale in der High School in Littleton ein Blutbad angerichtet hatten. Überstürzt mußte das Netz-Auktionshaus den Verkauf von Waffen einstellen.
Und dann stand bei eBay plötzlich ein ganzes Team von Programmierern zum Verkauf: eine Gruppe von 16 Angestellten eines Internet-Serviceproviders wollte sich für drei Millionen Mark von ihrem bisherigen Arbeitgeber abwerben lassen. Titel der Offerte: IT-Professionals bei ebay
Doch nicht genug damit, daß keiner mitbieten wollte. Auf Anfragen von eBay reagierten die Programmierer nicht, und plötzlich war das ganze Angebot verschwunden - jemand hatte sich einen Scherz erlaubt. Da war freilich schon eine weiteres Programmiererteam bei eBay im Angebot zu einem niedrigeren Preis als die erste Gruppe.
Der Menschenhandel war nur ein Beispiel für die seltsamen Angebote, die auf dem Server des Internetauktionshauses zu finden sind. Im April bot eine amerikanische Multimedia-Agentur eine gebrauchte Website an: Wir haben uns gefragt, warum man eine sehr gut erhaltene Homepage einfach wegwerfen sollte, hieß es in einer Pressemitteilung, die im Internet die Runde machte.
In ihr wurden die Eigenschaften der Website beschrieben, als handelte es sich um ein gebrauchtes Mofa: Die Site hat eine wunderschöne orange Farbe mit einem postmodernen Flair. Ihr schickes Interface erlaubt es dem User, sich mit nur wenigen Mouse-Klicks den Inhalt Ihrer Site zu erschließen. Die Perl-Scripts funktionieren einwandfrei, und die Grafik wurde kürzlich auf den neuesten Stand gebracht. Weniger als 80.000 Hits! Und damit nicht genug: auch URLs, ein Internet-Café in Florida und eine Figur aus dem Computerspiel Ultima Ratio waren bei eBay schon zu ersteigern die URL NetStudent.com wurde zu einem Anfangspreis von 5 Millionen Dollar angeboten.
Die Internet-Auktionäre haben die absonderlichsten Angebote auf ihren Websites: Ein Netz-Auktionator aus Australien bot kürzlich zwei Blumenvasen an, die angeblich Adolf Hitler gehört haben. Den Vogel schoß freilich der Redakteur des amerikanischen Ezines Smug ab: Er schlich sich bei der Verleihung des Cool Site of the Year Awards ein und nahm den Preis für die eBay-Site entgegen, obwohl er nie für das Unternehmen gearbeitet hat. Um das Maß voll zu machen, bot er die Statuette anschließend bei eBay zum Verkauf an. Die tausend Dollar, für die der Preis schließlich verkauft wurde, wurden für einen guten Zweck gespendet.
Auch die deutschen Anbieter von Internet-Auktionen sind vor dem Mißbrauch ihres Angebots nicht gewappnet. ricardo.de wirbt schon auf der Homepage mit dem Slogan Räumen Sie Ihren Keller auf! Das Hauptgeschäft von Ricardo.de ist zwar das Versteigern von neuer Unterhaltungselektronik. Doch Privatleute bieten bei dem Hamburger Unternehmen vor allem Dinge an, die sonst wohl auf dem Sperrmüll gelandet wären. Aber zwischen Katzenklos, alten Flachmännern, gebrauchten Gameboys und Hard-Rock-Café-T-Shirts findet sich auch Merkwürdiges bis Bedenkliches.
Das ist eigentlich nicht Sinn der Sache, weiß Matthias Quaritsch, Pressesprecher von Ricardo.de. Doch sein Unternehmen sei für die privaten Angebote nicht verantwortlich, sondern lediglich die Plattform, auf der diese veröffentlicht werden: Wir haben den rechtlichen Status eines Anzeigenblatts. Bei Ricardo.de hat es laut Quaritsch noch keinen einzigen Fall gegeben, in dem ein Angebot rechtliche Folgen nach sich gezogen habe. Das junge Unternehmen habe aber auch einfach nicht genug Angestellte, um alle Angebote zu kontrollieren. Ein internes Programm meldet allerdings, wenn Anzeigen mit Stichwörtern wie Sex, Porno oder Waffen aufgegeben werden.
In Kategorien wie Sonstiges, in denen die meisten kuriosen Angebote auftauchen, sieht der Pressesprecher gelegentlich selbst nach dem Rechten und hofft im übrigen auf die Mithilfe der community: Ricardo.de-Käufer können die Anbieter nämlich nach Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit benoten - online und für alle User sichtbar. Bei den meisten Anbietern sind die entsprechenden Webseiten allerdings leer.
Auch bei Alando.de , einem anderen deutschen Internetauktionshaus, werden die persönlichen Angaben auf Glaubwürdigkeit überprüft. Jedes Angebot wird von menschlichen Augen untersucht, sagt Alexander Samwer, einer der Gründer des Berliner Unternehmens. Zwei Angestellte sehen täglich bis zu 1.000 Anzeigen durch. Bei den etwa 20.000 Artikel, die bei Alando.de angeboten werden, habe es bisher noch keine rechtlichen Probleme gegeben.
Die Alando.de-Gründer haben sich ein halbes Jahr bei eBay in den USA umgesehen, bevor sie ihr eigenes Netzgeschäft in Deutschland aufgemacht haben. Inzwischen arbeiten dort 200 Mitarbeiter, und Samwer ist überzeugt: Je erfolgreicher die werden, desto aufmerksamer werden auch die Medien berichten. Schlechte Nachrichten über eBay wird man also in Zukunft voraussichtlich noch häufig zu lesen bekommen. Von den deutschen Internet-Auktionshäusern wahrscheinlich bald auch.