Wahrscheinlich hat niemand mit digitalen Bildern mehr Geld verdient als George Lucas. Seit fast zwanzig Jahren produziert Lucasfilm, die Produktionsfirma des amerikanischen Regisseurs, Filme voller digitaler Effekte – inklusive seiner eigenen Star-Wars-Serie. Mehrmals schilderte der Meister im Internet-Kultmagazin "Wired" seine Visionen von der digitalen Zukunft des Kinos.

Und nun das: Internet-Medien bekommen keine Bilder aus Lucas' neuem Film "The Phantom Menace", der am 19. Mai in den USA anläuft.

In Zeitungen, Zeitschriften und im Fernsehen dürfen Standfotos aus dem Science-Fiction-Streifen veröffentlicht werden. Bloß "Ezines" wie SPIEGEL ONLINE sollen über den neuen Film aus der "Star Wars"-Serie "text-only" berichten. Und damit nicht genug: im Auftrag von Lucasfilm verschickt eine Anwaltskanzlei Drohbriefe an Internet-Service-Provider. Wenn auf ihrem Internet-Server Fotos aus dem neuen "Star Wars"-Film gefunden werden, wird geklagt – egal, wer diese Bilder im Netz veröffentlicht hat.

Damit geht Lucasfilm gegen eine Brutstätte des "Star Wars“-Kults vor. Auf Tausenden von Homepages, in Newsgroups und auf Mailinglisten werden die Filme dokumentiert, diskutiert, analysiert – und manchmal sogar weitergeschrieben. George Lucas' Internet-Kreuzzug richtet sich letztlich gegen die Fans selbst.

Dabei geht es Lucas gar nicht darum, Bildpiraten das Handwerk zu legen. Der Regisseur will nur, daß möglichst viele Netzsurfer zu seiner eigene Site kommen, heißt es bei der deutschen Filiale von Lucasfilm.

Wenn man wollte, könne man von dieser Site täglich neue digitale Standbilder in Druckqualität herunterladen. Von Lucasfilm bekommt SPIEGEL ONLINE dagegen nicht mal ein Schwarz-Weiß-Foto – höherer Unsinn, wo inzwischen fast jedes Printmedium seine eigene Homepage hat. Bilder aus "The Phantom Menace" sind unter anderem auf der Website von "Entertainment Weekly" und auf hunderten von privaten Fan-Seiten zu sehen.

Doch bei einem Anruf bei Lucasfilm in Frankfurt wird eine Frau Conradi deutlicher. An Online-Medien darf kein Illustrationsmaterial weitergegeben werden: "Wir haben unsere Anweisungen direkt aus den USA." Aber Printmedien dürfen die Bilder drucken? "Ja, natürlich." Und wenn die Printmedien eine Website haben, können sie die Bilder auch dort zeigen? "Ja." Aber SPIEGEL ONLINE... "bekommt von uns keine Bilder", ist das letzte Wort von Lucasfilm Deutschland.

Möge die Macht mit Frau Conradi sein!