GRÜNDERTREFFEN In 30 Ländern // Auf drei Gründertreffen können sich junge Medien- und Internetfirmen in Berlin Rat und vielleicht sogar Risikokapital besorgen.
Bei der "media~lounge", "Silicon City" und ab heute auch bei "FirstTuesday" treffen Gründer auf potenzielle Finanziers. Keines der Treffen wird durch den Berliner Senat unterstützt. Sie sind alle aus der Initiative der beteiligten Unternehmen entstanden.
"FirstTuesday" gibt es inzwischen in 30 Ländern in Europa, in Deutschland bisher in München und Berlin, demnächst auch in Frankfurt/Main und im Rheinland.
Silicon City www. silicon-city. de FirstTuesday www. firsttuesday. com Media~Lounge www. existenzgruender- institut. de/projects
Der erste Dienstag ist diesmal am zweiten Dienstag des Monats. Wegen des Jahresbeginns findet die Premiere von "FirstTuesday" in Berlin erst in der zweiten Januarwoche statt also heute. In einem Hotel in Mitte werden heute Abend voraussichtlich 400 Internet-Unternehmer und solche, die es werden wollen, mit Bankern und Investoren zusammentreffen. Sie werden Smalltalk machen, Unternehmensideen vorstellen und Visitenkarten austauschen. Nicht aus Freude sich kennen zu lernen, sondern um gemeinsam viel Geld zu verdienen.
Das hoffen wenigstens die Initiatoren des Treffens. "Wir bieten eine Plattform, auf der Geld und Ideen zusammenfinden", sagt Julie Meyer, eine der vier Gründer von "FirstTuesday". Sie hat das Treffen 1998 in London ins Leben gerufen. 50 E-Mails verschickte sie damals an Freunde und Bekannte als Einladung zu einem informellen Treffen in einer Bar in Soho, bei dem Gründer von jungen Unternehmen sich über ihre Erfahrungen Um die Unkosten zu decken, warf jeder, der es sich leisten konnte, zehn Pfund in einen Eimer auf dem Tisch.
Weltweites Unternehmen
Aus der kleinen Runde ist inzwischen ein weltweites Unternehmen geworden. Von Tel Aviv bis Amsterdam, von St. Petersburg bis Wien treffen sich mittlerweile Jungunternehmer in ganz Europa zum "FirstTuesday", um Risikokapital für ihre Firmenpläne zu organisieren. Die meisten von ihnen wollen im schnelllebigen Internetgeschäft Geld verdienen. "Für mich ist es eine faszinierende Vorstellung, dass sich in ganz Europa am ersten Dienstag im Monat Gründer treffen", sagt Claudia Blümhuber, die Organisatorin des Berliner Treffens.
In München gibt es "FirstTuesday" bereits seit dem vergangenen Oktober, nach Berlin sollen demnächst auch im Rheinland und in Frankfurt regelmäßige Treffen stattfinden. Die Londoner Zentrale, die inzwischen selbst zum Unternehmen mit sechs Angestellten geworden ist, sucht vor Ort Organisatoren aus, welche die monatlichen Treffen organisieren. "Die haben dann relativ freie Hand", sagt Blümhuber. Heute Abend wird von viertel nach sechs bis halb acht "Networking" betrieben, danach gibt es eine Podiumsdiskussion über Internet-Startup-Unternehmen.
"Von all den Foren, die es für Gründer gibt, ist FirstTuesday das beste", sagt Sabine Bendiek, die Investmentmanagerin bei der Venture-Capital-Firma "Earlybird" ist. Weil ihr Unternehmen Risikokapital in Internetneugründungen investiert, ist "FirstTuesday" für sie ein "interessantes Meeting".
"Wir sind allerdings nicht bei jedem Treffen präsent, sondern nur, wenn es um Gründungen aus dem Bereich geht, in den wir investieren", sagt Bendiek. Beim Münchener "FirstTuesday" seien die Gründer gegenüber den Interessenten aus anderen Branchen außerdem klar in der Minderheit gewesen.
Nur "Gründer mit großen Businessplänen und wirklich innovativen Ideen" werden dagegen zu "Silicon City", einem anderen monatlichen Gründertreffen in Berlin, eingeladen, sagt Mitorganisator Karel Dörner. Bis zu 300 Interessenten treten sich bei dem Treffen in den Räumen des Internetauktionshauses "ebay" in Kreuzberg auf die Füße. Wie bei "FirstTuesday" muss man zu dem Treffen eingeladen werden, und das wird man bei "Silicon City" nur, wenn man "ein Geschäft hat, das innerhalb der nächsten zwei Jahre an die Börse gehen kann".
Im Gegensatz zu "FirstTuesday" ist "Silicon City" weniger "formell organisiert", sagt Dörner. Die Jacken und Mäntel der Besucher werden in einer Ecke des Treppenhauses auf einen Haufen geworfen; die Besucher essen Pizza vom Lieferservice, lassen sich aber sicherheitshalber erstmal gegenseitig Stillschweigeverpflichtungen unterschreiben, bevor
"Wir wollen keine Stammtischatmosphäre", sagt Dörner, "aber alle sollen offen miteinander reden können." Deswegen gibt es bei "Silicon City" auch keine Podiumsdiskussionen, sondern nur Gespräche unter den Besuchern. Erfahrene Gründer von Firmen sollen Neuligen als Berater zur Verfügung stehen; dabei macht es nichts, dass einige der "Gründer-Veteranen" selbst erst seit wenigen Monaten existieren.
Auch bei der "Media~Lounge", die ebenfalls in dieser Woche stattfindet, sollen Jungunternehmer "Mentoren" finden, die sie beim Unternehmensaufbau beraten. Bei den Partys, die alle drei Monate stattfinden, stellen regelmäßig einige ausgesuchte Unternehmen aus dem Medienbereich ihre Geschäftsideen vor.
Die Firmen, die sich bei der "media~lounge" vorstellen, bewerben sich per Email bei der Agentur. Für jede Veranstaltung müssen die Organisatoren aus etwa 50 Anmeldungen drei bis fünf Unternehmen auswählen, die sich bei der Lounge vorstellen dürfen. Wie die Organisatoren von "Silicon City", veranstaltet auch die PR-Agentur Ariadne & Wolf die Treffen nicht, um damit Geld zu verdienen, sondern wie Geschäftsführerin Penelope Wolf sagt: "weil wir das toll finden".