Da ist er wieder: David Blair hat sein Internet-Kunstwerk „Waxweb" fertig gestellt. Und wir hatten gedacht, fertig sei es schon seit fünf Jahren!
„Waxweb" ist wieder da! Nicht, daß es jemals weggewesen wäre, aber jetzt hat es alles, was ein Netzkunstwerk heute so braucht: einen eigenen URL, ein endgültiges Design, Realvideo-Filmchen, 3-D-Version, und sogar eine Lizenz (dazu später...). Dabei gilt „Waxweb" als eins der ersten Kunstwerke überhaupt, die für das WWW entstanden sind. Doch der amerikanische Medienkünstler David Blair, der „Waxweb" 1994 online brachte, hat fünf Jahre gebraucht, um seinem Werk die endgültige Form zu geben.
Die schrullige Arbeit, die auf einem sehr merkwürdigen Film über einen Bienenzüchter, der Flugsimulatoren entwirft, basiert, wurde Mitte der 90er Jahre als Pioniertat von einem Medienkunstfestival zum nächsten weitergereicht. Es war neben Muntadas' „Fileroom", Douglas Davis' „Worlds Longest Sentence" und Eva Grubingers „Computer Aided Curating" eine der ersten Arbeiten, die eigens für das WorldWideWeb konzipiert worden war. Bis heute ist es allerdings fraglich, ob „Waxweb", zu dem unter anderem 80.000 Teilchen eines 85minütigen Film gehören, auf einer CD-Rom nicht besser aufgehoben wäre. Und in der Tat - David Blair bietet auf der Website auch eine CD-Rom-Version der Arbeit, die von der "Entdeckung des Fernsehens unter den Bienen" handelt, zum Verkauf an.
Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang übrigens die Lizenz, die man akzeptieren muß, um die endgültige Version von „Waxweb" ansehen können: wer mehr als eine Stunde auf der Site herumklicken, wird aufgefordert, eine CD-Rom zu kaufen. Im Augenblick ist „Waxweb" also Shareware, und wer die Arbeit in der Öffentlichkeit vorführen oder in Schule und Uni einsetzten will, muß die Rechte dafür erwerben: „Das ist genau dieselbe Praxis, die auch üblich ist, wenn man ein Videoband zeigen will", betont Blair.
Leider hat die „Neuausgabe" einen unangenehmen Nebeneffekt: das alte „Waxweb" mit seinen winzigen Bildchen auf historischem WWW-Grau ist von seinem Stammplatz verschwunden. Wer sich also nicht mehr genau erinnern kann, wie die Site aussah, bevor sie auf den neuesten Stand gebracht wurde, muß im Cache nachsehen. Und der Künstler selbst wird sein Opus in spätestens fünf Jahren wieder der neusten Entwicklung der Netztechnik anpassen müssen...