sprungstelle, kress report vom 6. Februar 1997

sprungstelle, kress report vom 6. Februar 1997

"Vergiß mein nicht - die Postleitzahl", stand früher auf kleinen Plakaten, die

in jedem Postamt hingen. Wer sie trotzdem vergessen hat, kann sie

nachschlagen. Aber was macht man, wenn man die

E-Mail-Adresse von jemandem vergessen hat, oder sie erst gar nicht kennt? Ein offizielles Telefonbuch für den

Cyberspace existiert bisher nicht - und wenn es eins gäbe, hätte es inzwischen

wahrscheinlich den Umfang des Großen Brockhaus. Einige amerikanische Unternehmen

haben diese Marktlücke erkannt. Innerhalb der letzten zwölf Monate sind WWW-Sites,

in denen man nach E-Mail-Adressen und anderen Daten von "Netizens" suchen

kann, wie die Pilze aus dem Boden geschossen.

Die ältesten E-Mail-Adressen-Verzeichnisse sind an amerikanischen Universitäten

entstanden. Das Usenet-Adressenverzeichnis der Bostoner Elite-Universitat

MIT hat seit 1991 alle E-Mail-Adressen aus dem Diskussionsforen des Usenet abgespeichert

(http://usenet-addresses.mit.edu).

Zwei Computerbastler an der University of

California in Riverside haben

OKRA entwickelten. OKRA, das seit September 1995 am Netz ist, ist das

schnellste "Netz-Telefonbuch", das umfangreichste ist es nicht mehr. Es hat 5,3 Millionen Eintrage.

Die Konkurrenz bietet mehr:

Four11 lädt zwar im Schneckentempo, liefert dafür aber auch

Telefonnummern, URLs von Homepages und Nummern von Internet-Telefonen von

insgesamt 6,5 Millionen Internauten. Dasselbe bietet der Internet

Adressfinder, sogar mit

deutschsprachiger Suchmaske. Der Internet Adressfinder hat außerdem den Vorteil, das man sich

nicht langwierig anmelden muß, sondern auch ohne Paßwort an die Adressen kommt.

Allerdings hat er weniger Eintrage als Four11: knapp fünf Millionen.

Auch "Gelbe Seiten" gibt es im Internet schon: Die amerikanische

Telefongesellschaft Nynex macht ihre Branchenbücher

(http://www.niyp.com) im Netz zugänglich.

Geschäftsadressen bietet auch

Big Book; Diese Seiten werden bald auch interessant sein, auch

wenn man gerade keine Faxpapier-Rollen aus New Orleans oder Gebrauchtwagen aus

Las Vegas braucht: Big Book will VRML-Versionen von allen amerikanischen

Großstädten bauen. Dort können sich die User dann wie durch eine richtige Stadt in 3-D zum

chinesischen Lokal an der Ecke manövrieren lassen! Eine Beta-Version von San Francisco

gibt's unter http://vrml.bigbook.com/showpage.cgi?page=bb3d_entry.

E-Mail-Adressen von Privatpersonen und Geschäften gibt es auch bei

Switchboard und

bei WhoWhere, das sogar dann Adressen findet, wenn man sich nicht mehr sicher ist, ob

Herr Gates mit Vornamen Bill oder Bob heißt. Dank Fuzzy Logic kann man sogar mit Initialien

und mit Wildchard-Option suchen. Zwei relativ neue Sites sind

Bigfoot und

Look-Up. Da in

der nächsten Zeit bestimmt noch weitere E-Mail-Adressenverzeichnisse dazukommen,

guckt man am besten von Zeit zu Zeit mal im Verzeichnis der Adressenverzeichnisse bei

Yahoo nach (http://www.yahoo.com/Reference/White_Pages/).

Yahoo hat übrigens auch ein eigenes "Telefonbuch"

(http://www.yahoo.com/search/people/).

In Deutschland gibt es bisher nur ein einziges E-Mail-Verzeichnis:

Suchen.de, in dem

man sich - wohl aus Gründen des Datenschutzes - selbst eintragen muß. Schrecklich

umfangreich ist dieses Verzeichnis noch nicht, aber seit leztzter Woche gehört zu den Verzeichneten

nun auch Ihr Internet-Reporter Tilman Baumgärtel.

Wohin wollen Sie jetzt springen?

Zur Sprungstelle der letzten Woche?