Am Dienstag wurden die „Webby Awards“ in San Francisco an preiswürdige Websites vergeben. Doch die „Oscars des Internets“ sind auch nicht mehr, was sie mal waren

Von Tilman Baumgärtel

Die „Webby Awards“ gibt es noch. Vielleicht ist das die wichtigste Nachricht über die selbst-ernannten „Oscars des Internets“, die am Dienstagabend zum sechsten Mal in San Francisco verliehen wurden. Viele der Firmen und Initiativen, die seit 1996 mit Preisen in Kategorien wie „Geld“, „Politik“, „Aktivismus“ und „Seltsam“ ausgezeichnet wurden, haben den Internet-Hype nicht überlebt. Und auch die Veranstaltung selbst hat schon bessere Tage erlebt. Ende der 90er Jahre waren die Webby Awards eine glamouröse Veranstaltung, bei der vor einem Publikum von bis zu 5000 Internet-Profiteuren Preise von semi-prominenten Moderatoren verliehen wurden, die Sieger feierten sich anschließend auf von anderen Internet-Unternehmen großzügig gesponserten Partys.

Doch diese Hochzeiten der New Economy sind vorbei, und wie viele „Dot-Com“-Unternehmen wurden auch die Webby Awards einem gründlichen „Downsizing“ unterzogen. Statt im Opernhaus von San Francisco wurde der Preis diesmal in der kleinen „Legion of Honor“-Halle vor 316 zahlenden Zuschauern vergeben, und statt bekannter Moderatoren führten diesmal Tiffany Shlain und Maya Draisin, die Organisatoren der „Webby-Awards“, durchs Programm. „Die ‚Webby Awards’ sind auch nicht mehr, was sie mal waren“, seufzte der lokale San Francisco Chronicle in seinem Bericht über die diesjährige Preis-Verleihungszeremonie. Selbst die Macher von einigen der nominierten Websites waren sich kurz vorher noch nicht sicher, ob sie zur Preisverleihung nach San Francisco reisen würden, berichtete das Blatt.

Unter den Gewinnern der Veranstaltung waren eine Reihe von alten Bekannten, die bereits in den vergangenen Jahren Webby Awards erhalten haben: dass Internet-Oldtimer wie das E-Zine „Salon“ (www.salon.com) oder das Buchversand Amazon (www.amazon.com) zu den Siegern gehören, zeigt auch eine Konsolidierung im früher hyperaktiven Internet, bei den die Helden von heute oft genug schon morgen wieder vergessen waren.

Wenig Überraschungen auch in anderen Kategorien: In der Sparte „Wirtschaft“ gewann zum wiederholten Mal Yahoo! Finance (finance.yahoo.com), in der Sparte „Humor“ die Satire-Site The Onion (http://www.theonion.com) – in beiden Sparten übrigens einstimmig. Denn anders als bei den Film-Oscars gibt es bei den „Webby Awards“ zwei Jurys: eine Fachjury aus Internet-Pionieren und –Unternehmen, und eine, bei der jeder Internet-User mitwählen kann. Auch in Kategorien wie „Best Practise“ (Sieger: Google), „Community“ (Sieger: Idealist.org) oder „Dienstleistungen“ (Sieger: evite.com) waren Fach- und Publikums-Jury derselben Meinung.

Anders als in den vergangenen Jahren wurden bei den diesjährigen Webby Awards zum ersten Mal auch nicht-amerikanische Websites prämiert. Dazu gehörten unter anderem die Website des australischen Reiseführers „Lonely Planet“ (http://www.lonelyplanet.com') in der Kategorie Travel oder das kanadische „Loopslap“ (http://www.looplabs.com). Verwirrung machte sich diesmal allerdings in der Kategorie „Net Art“ breit. Während hier in der Vergangenheit unter anderem Websites von Künstlern wie Jodi oder Olia Lialina ausgezeichnet wurden, gewannen diesmal eine Website mit „Clip Art“ und eine Dokumentation über die Verhältnisse in amerikanischen Gefängnissen.

Traditionellerweise dürften die Sieger bei den „Webby Awards“ keine lange Dankesreden halten, sondern nur einen Satz mit fünf Worten an das Publikum richten. Kurz-Statements wie die folgenden möchten alle Teilnehmer im nächsten Jahr nach langer Abstinenz wohl gerne wieder öfter hören: "Our stock is rising." (Amazon.com) und "50,000 new members daily -- profitable." (emode.com)

Alle Webby-Award-Gewinner unter:

http://www.webbyawards.com/main/press/speeches.html

Tilman Baumgaertel

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