Der amerikanische Medienkonzern Time-Warner schließt seine Website Pathfinder . "In den nächsten sechs Monaten werden wir den Pathfinder-Namen verschwinden lassen und nur noch Medienmarken wie Time, Entertainment Weekly und Fortune bewerben", wird Jeffrey Coomes, Marketing-Vize-Präsident bei Time Incorporated New Media, in der Internet-Publikation C'NET zitiert. "Wir lassen Pathfinder mit allen seinen URL's verschwinden." Laut Coomes "kommt 98 Prozent unseres Web-Traffics nicht von der Pathfinder-Seite, sondern über die individuellen Sites" der Time-Warner-Printtitel: "Die einzelnen Marken haben mehr Anziehungskraft als Pathfinder. Warum sollen wir unsere Titel also auf dieser Site begraben?"

Pathfinder war 1994 gegründet worden und galt damals als ein Vorbild dafür, wie die Websites von großen Medienunternehmen aussehen könnten: unter einer einzigen Internet-Adresse sollten die Inhalte von verschiedenen Printtiteln aus einem Verlag abrufbar sein. Pathfinder kann darum heute als Vorläufer der Portalsites der Gegenwart betrachtet werden. Während "Netz-Portale" wie Yahoo oder Excite in den letzten zwei Jahren immer mehr User auf ihre Seiten gezogen haben, war Pathfinder freilich nie ein Publikumsmagnet: die meisten Netizens orientierten sich eher an bekannten Medienmarken wie CNN oder Life als auf der Time-Warner-Website nach diesen Titeln zu suchen. Wer heute die Internet-Adresse www.time.com in seinen Browser eingibt, wird immer noch zu der schwer zu merkenden URL "cgi.pathfinder.com/time" weitertransportiert.

Schon bald war die Website von Pathfinder aber auch als zu groß und zu unübersichtlich kritisiert worden. Der Name würde wenig über den Inhalt der Site aussagen und die Navigation sei verwirrend, wurde den Machern von Pathfinder vorgeworfen. Auch die Diskussion, ob man redaktionelle Inhalte im WorldWideWeb umsonst anbieten sollte, konzentrierte sich in den USA Mitte der 90er Jahre auf die Time-Warner-Site.

Den Technikern von Pathfinder steht jetzt eine schwierige Aufgabe bevor: sie müssen die gesamte Website auseinandernehmen und zu fünf neuen Internet-Angeboten zusammensetzten. Nach dem Willen der Time-Warner-Geschäftsführung sollen die Pathfinder-"Inhalte" jetzt nach Themen wie "Wirtschaft" und "Politik" unter fünf verschiedenen Internet-Adressen neu aufbereitet werden. Coomes: "Weil bei Pathfinder der Name auf jeder HTML-Seite und in jeder URL auftaucht, ist das eine große Herausforderung."