Wahlen im Internet

Sp„testens seit der amerikanische Sonderermittler Kenneth Starr seinen Clinton-Report im Internet ver”ffentlicht hat, ist klar: das "Netz der Netze" ist zu einer ernstzunehmenden Quelle fr News geworden, die inzwischen vielleicht sogar den Lauf der Geschichte ver„ndern k”nnen. Was das Internet als schnelles Nachrichtenmedium taugt, kann man an diesem Wochenende berprfen, wenn in Deutschland ein neues Parlament gew„hlt wird. Werden die politischen WWW-Sites auch am Wahlsonntag regelm„áig auf den neuesten Stadt gebracht werden? Wird man sich im Internet genauso informieren k”nnen wie durch die Wahlberichterstattung des Fernsehens? Probieren Sie's aus - mit den folgenden Links.

Alle politischen Magazine haben fr die Bundestagswahlen eigene redaktionelle Sites eingerichtet. "Wahlen 1998" bei Focus (http://focus.de/D/DI/DIE/die.htm) hat im Internet "Fakten, Fakten, Fakten" zur Wahl zu bieten. Dazu geh”rt ein ntzliches Wahlbarometer, aber leider auch Wahltips fr Klippschler ("Wie fllt man einen Stimmzettel aus?") Auch aus dem "Sturmgeschtz der Demokratie", dem "Spiegel", ist online eine "Nachhilfestunde in Demokratie" geworden. In einem umfangreichen Schlagwortverzeichnis gibt es Informationen ber so gut wie jede Fragen, die sich der deutsche Demokrat wenige Tage vor der Wahl stellen k”nnte: vom "šberhangsmandat" zur "Zweitstimme". Auch sonst gl„nzt das Magazin durch umfangreiche Hintergrundberichterstattung, aber auch durch Einf„lle, die man sich im gedruckten Heft nie erlauben wrde. Zum Beispiel der amsante Fotoromane ber die politischen Karrieren von Kohl und Schr”der.

Beim "stern" hat man den Service am Leser etwas zu ernst genommen. Ein fragwrdiger "Abgeordnetentest" (http://www.stern.de/magazin/abgeordnetentest/) bewertet die Qualit„t der MdBs - nach Redezeit und der Zahl ihrer Kleinen Anfragen. Dieser Test sagt wenig ber die Qualit„t der Abgeordneten, eher regt er zum Nachdenken ber den Sinn und Zweck solcher methodisch zweifelhaften Tests an. Eine brauchbare šbersicht ber die aktuellen Meldungen zur Wahl findet man dagegen bei Reuters (http://www.wahl98.reuters.de)

Wer nach Wahlprognosen sucht, kann beim MDR beginnen: dort findet man die Ergebnisse der letzten "Sonntagsfrage" (http://www.mdr.de/mdr_akt/wahlen.htm) ("Wenn am n„chsten Sonntag Wahl w„re..."). Wer wissen will wie die Wahlergebnisse in der Vergangenheit aussahen, begibt sich zum "Wahlatlas" (http://www.wahlatlas.de) der Friedrich-Ebert-Stiftung, wo man nach Bundesland sortiert die Wahlergebnisse seit 1949 abrufen kann. Wenn man noch mehr Zahlen braucht, sollte mal beim Statistischen Bundesamt (http://www.statistik-bund.de/wahlen/) vorbeisurfen. Die aktuellen Ergebnisse und Hochrechungen sollen sich am Wochenende dort ebenfalls finden - nach Bundesl„ndern sortiert. šberraschend ausfhrliches und gut aufbereitetes Zahlenmaterial finden sich ausgerechnet auf einem amerikanischen Server: beim American Institute for Contemporary German Studies (http://www.jhu.edu/~aicgsdoc/wahlen/election.htm) der John Hopkins University, die in Zusammenarbeit mit der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen eine exzellente Site aufgebaut haben.

Sehenswert sind auch einige der WWW-Angebote, die eigens fr die Bundestagswahl einen Server aufgebaut haben - wie zum Beispiel Wahlkampf98 (http://www.wahlkampf98.de), die eine gute šbersichtssite zum Wahlkampf zusammengestellt haben. Lustig: der politische Phrasendrescher und die Cartoons. Wer noch schnell ein biáchen Wahlkampffiieber simulieren will, geht zu Wahlstreet (http://www.wahlstreet.de). Auf der Site, die vom Berliner Tagesspiegel (http://www.tagesspiegel.de) und Die Zeit (http://www.zeit.de) angeboten wird, kann man wie an der B”rse Geld auf die Parteien setzten.

Wer am Sonntag trotz der vielen Sites zur Wahl noch Zeit zum Surfen hat, sollte sich einmal die Wahlkampfsites der Kandidaten und Parteien ansehen - schlieálich hat der W„hler sie indirekt durch seine Steuern finanziert. Unter "Kurioses" abzuhaken ist wohl der sogenannte "Personality Server" von der Initiative "Schroeder98.de" (http://www.schroeder98.de/), die aus eigenem Antrieb eine Website fr den SPD-Kanzlerkandidaten eingerichtet haben. Dabei ist die Site der SPD (http://www.spd.de) recht pfiffig. Wenigstens hier bertreffen die Sozialdemokraten die Konkurrenz von CDU (http://www.cdu.de), CSU (http://www.csu.de), Grnen (http://www.gruene.de), FDP (http://www.liberale.de/) und PDS (http://www.pdsnetz.de/).

Umgefragt hat auch die Jungen Union Bayern und Nordbaden dem Kanzler eine eigene Website eingerichtet (http://www.helmut-kohl.de/). Dabei hat Kohl inzwischen auch eine eigene Homepage unter http://www.bundeskanzler.de. Dort finden sich dessen Reden und Ansprachen, aber auch "Kohl fr Kids". Interessanter als der Inhalt dieser Site aber ist die Frage: Wer bekommt eigentlich diese Domain, wenn Schr”der die Wahl gewinnt?