Gut informiert in den Kampf

Militär-Entertainment: Die amerikanische Firma Kuma lässt den „War on Terror“ als Computer-Game nachspielen

Von Tilman Baumgärtel

Hey, wollen wir noch mal die beiden Söhne von Saddam Hussein verhaften? Mit einer kleinen Armee über ihre Villa in Mossul herfallen, eine Rakete durchs Fenster jagen, den einzigen Überlebenden, einen 14jährigen, mit MG-Dauerfeuer niedermähen, und schließlich die halbverkohlten Leichen der beiden Brüder herausschleppen? Wäre das nicht cool?

So ungefähr soll man sich wohl auf das Spiel „Kuma: War“ freuen, das seit einigen Tagen im Internet kursiert. Die erste Folge, bei der man Saddams Söhne am heimischen PC „verhaftet“, kann umsonst heruntergeladen werden. Für das fertige Online-Spiel will die New Yorker Computerspiel-Firma Kuma 6 Dollar 95 monatlich.

Denn „Kuma: War“ ist kein fertiges Spiel, sondern soll aktuelle Kriegsereignisse in aller Welt am Computer nachspielen lassen. Als nächste „Episode“ ist die „Operation Anaconda“ angekündigt, einer Schlacht während des Afghanistan-Feldzugs. Die wird in martialischem Ton angekündigt: „Der Feind wartete nicht da, wo er sein sollte – und er war auch viel stärker als angenommen. Die Zehnte Bergdivision landete in einem Feuersturm aus Mörsern und anderen Waffen. Al Quaida- und Taliban-Kämpfer griffen sie von verschiedenen Positionen aus an und machten es unmöglich, die Gegend zu räumen. Die 10. Bergdivision hielt sich in diesem Sperrfeuer tapfer, und als sie am Abend wieder ausgeflogen wurden, hatten sie einen der heftigsten Kampftag während der ganzen Afghanistan-Mission erlebt.“

Auch die Festnahme von Saddam Hussein steht auf dem Programm der Entwickler. Die Unruhen im Haiti hält Kuma-Chef Keith Harper hingegen für kein geeignetes Spielsujet: „Da ist nichts zu passieren, was irgendeine taktische Bedeutung gehabt hätte“, glaubt er. „Kuma: War“ versteht er als eine Art Kombination aus dem Ballerspiel “Counterstrike“ und CNN: „Wir erlauben es, die Nachrichten so zu erleben, wie es im Fernsehen nicht möglich ist.“

Die Berichterstattung der amerikanischen Nachrichtenkanäle liefert freilich den Rahmen für das Spiel. Auf seinen Einsatz wird der Spieler gründlich vorbereitet: mit Videoaufnahmen der „embedded reporters“, Landkarten und den Ratschlägen der notorischen Experten vor dekorativer Bücherwand. So gut informiert stürzt er sich – begleitet von dramatischen Orchesterklängen – ins Kampfgetümmel. „Play the News“, wirbt das Unternehmen für sein Spiel.

„Kuma“ bietet so eine neue Art von militärischem Entertainment. Schon länger kann man echte Konflikte wie die Schlacht um Gettysburg oder den Zweiten Weltkrieg detailgetreu am Rechner nachkämpfen. Kriegsspiele wie „Command & Conquer“ erschienen rechtzeitig zum Irakkrieg in neuen Versionen, die eine erstaunliche Nähe zum tatsächlichen Kriegsverlauf hatten. Und die amerikanische Armee vertreibt im Internet das Gratis-Spiel „America´s Army“, um neue Rekruten zu werben.

Aber dass man ein reales Kriegsgeschehen nur wenige Monate, nachdem es stattgefunden hat, am PC nachspielen werden kann, ist eine neue Qualität. Kuma behauptet, seine Informationen nicht nur aus den Medien, sondern auch direkt aus dem Pentagon zu beziehen. „Wir haben ein Team von Forschern, die alle Informationen über den Krieg gegen den Terrorismus auswerten“, sagt Kuma-Chef Halper. „Dadurch haben wir inzwischen ein sehr genaues Wissen, aus dem wir Schlüsse ziehen können, was als nächstes passiert.“ Vielleicht kann man daher die nächste Schlacht im Kampf gegen den Terror schon ausfechten, bevor sie überhaupt stattgefunden haben.

Von Tilman Baumgärtel

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