"Bert ist böse" // Mitte der 90er-Jahre bastelte der philippinische Webdesigner Dino Ignacio eine Homepage, auf der er Bilder von Bert aus der Sesamstraße zusammen mit Bösewichten zeigte - natürlich alle am Computer zusammenmontiert.

Die Site "Bert ist böse" ging durch die Presse und 1998 erhielt Ignacio den "Webby-Award", eine Art Internet-Oscar, in der Kategorie "Seltsames". Im Netz entwickelte sich ein Kult um Bert und seine angeblichen Verbrechen.

Die Website, auf der alles begann www. fractalcow. com Die Untersuchung geht weiter unter: www. linqvist. com REUTERS/RAFIQUR RAHMAN Bert steht hinter Osama Bin Laden - zumindest auf diesem Bild.

Osama Bin Laden hat einen neuen Unterstützer gefunden. Jemand, der ganz hinter ihm steht. So mag es dem aufmerksamen Betrachter vorkommen, der sich das Foto rechts genauer ansieht. Das Bild zeigt eine antiamerikanische Demonstration, die am Donnerstag, dem 11. Oktober, in Dhaka, Bangladesh stattfand. Wie viele andere Teilnehmer der Demonstartion hält auch dieser Junge ein Plakat in der Hand, das mit Bildern von Osama Bin Laden gespickt ist.

Aber vom wem stammt dieser kleine Kopf, der da auf dem Plakat hinter Bin Ladens großem Konterfei zu erkennen ist? Ist das nicht...? Der sieht aus wie... Aber das kann doch nicht sein! Der sieht doch aus wie Bert aus der Sesamstraße!

Eine geheime Botschaft?

Tatsächlich, das ist Bert aus der Sesamstraße, dessen Stoffschädel neben dem Kopf des weltweit gesuchten Terroristen Osama Bin Laden deutlich zu erkennen ist. Doch wie kommt das Bild der US-Fernsehfigur neben das eines Mannes, der verdächtigt wird, für das größte und blutigste Attentat in der Geschichte Amerikas verantwortlich zu sein? Ist die Filzpuppe einer der "Vertrauten" des saudi-arabischen Top-Terroristen? Gehört er zu den Schläfern, die in den USA auf ihre Befehle warten? Enthält das Foto eine der Geheimbotschaften, vor denen die amerikanische Nationale Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice die Medien gewarnt hat?

"Verdammt, jetzt imitiert die Wirklichkeit schon das Web", schreibt Dino Ignacio auf seiner Website www.fractalcow.com über das Bild. Auf seiner Homepage begann der philippinische Webdesigner vor fünf Jahren damit, Beweise dafür zu sammeln, dass Bert aus der Sesamstraße böse sei und hinter verschiedensten historischen Verbrechern stecke. Bilder zeigen ihn unter anderem mit Adolf Hitler, dem Unabomber und im Publikum in Dallas beim Attentat auf John F. Kennedy. Schon bald entwickelte sich im Internet ein Kult um die Site.

Andere Homepage-Bastler begannen ebenfalls, auf ihrer Website Bilder zu veröffentlichen, die Bert zusammen mit berühmten Bösewichten zeigten. Die Bilder wurden am Computer montiert; eins davon zeigte die Puppe mit der gelben Haut und der orangen Nase neben Bin Laden.

Wer immer das Plakat, das in Bangladesh hochgehalten wurde, gestaltet hat, scheint die Bilder aus dem Netz heruntergeladen und bei der Montage die Bert-Puppe übersehen zu haben. Das Poster mit Ernies Busenfreund ist auf Agenturfotos von mindestens zwei Demonstrationen an verschiedenen Tagen zu sehen. Auch einem Fotografen war der seltsame Geselle auf dem Plakat schon aufgefallen. Rafiqur Rahman aus Bangladesh "wusste aber nicht, wer dieses Wesen ist, das er fotografiert hat. Er hat sich auch schon gewundert", sagt Jack Stockes von der Agentur Associated Press, die das Foto in der ganzen Welt verbreitet hat. Veröffentlicht wurde es unter anderem auf der Website von Yahoo und in Zeitungen in Schweden und Holland.

Die Produzenten der Sesamstraße sind jedenfalls empört: "Sesam-straße hat immer für Toleranz und gegenseitigen Respekt gestanden", heißt es in einer Pressemitteilung der Kindersendung. "Wir sind bestürzt, dass unsere Figuren in so einer geschmacklosen Weise benutzt wurden. Diejenigen, die dafür verantwortlich sind, sollten sich schämen."