Ende der achtziger Jahre gründet Microsoft-Chef Bill Gates die Firma Corbis. Corbis besitzt unter anderem Rechte für Handzeichnungen von Leonardo da Vinci, die wichtige Bettmann-Fotosammlung und die Bilder aus der Eremitage in St. Petersburg. 1 300 Mitarbeiter in der ganzen Welt handeln mit 65 Millionen, zum Teil berühmten Bildern - unter anderem von Albert Einstein, der die Zunge herausstreckt, der brennenden Zeppelin Hindenburg und Van Goghs "Sonnenblumen". Wenn in einer Zeitung oder einem Schulbuch eins dieser Bilder gedruckt wird, ist es nicht unwahrscheinlich, dass eine Lizenzgebühr an Gates Firma geflossen ist.
1986 erhielt die amerikanische Wissenschaftlerin Loren S. Miller ein Patent auf die Wirkstoffe der Pflanze "Ayahuasca". Sie werden von den Amazonas-Indianer seit Jahrhunden bei religiösen Zeremonien verwendet und als heilig verehrt. Erst 1999 wurde ihr das Patent von einem US-Gericht wieder aberkannt.
Ende September gab die Plattenfirma Universal bekannt, dass sie ihre CDs künftig mit Kopierschutz auf den Markt bringen will. Dadurch will die Firma verhindern, dass ihre Musik über das Internet oder auf selbst gebrannten CDs weiterverbreitet wird.
Drei unterschiedliche Fälle, und doch haben sie etwas gemeinsam: Bei allen geht es darum, wie Patente und Copyright dazu benutzt werden, Wissen und kulturelle Produktion zu privatisieren. Denn Information ist zu einer Ware geworden, an der viele verdienen wollen - durch Lizenzen und Urheberrechte. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn das nicht die Gefahr bergen würde, dass die Eigentumsrechte die Verbreitung von Wissen und Kultur behindern.
Das "geistige Eigentum" hat eine mächtige Lobby, doch wer setzt sich für das Gemeingut Wissen ein? Unternehmen und Gruppen aus den verschiedensten Bereichen wollen Information als Eigentum schützen: seien es Unternehmen wie Microsoft, die den Code ihrer Software wie ein Staatsgeheimnis hüten; seien es Pharmafirmen, die DNA-Stränge patentieren; sei
Ab Donnerstag gehen bei der Konferenz "Wizards of OS", die in Berlin im Haus der Kulturen der Welt stattfindet, fast hundert Referenten der Frage nach, was die kulturellen, politischen und ökonomischen Folgen der Kommerzialisierung von Information Eine ist sicher das Internet, in dem Wissen frei und unkontrolliert zirkuliert und das darum ein Albtraum für Medienfirmen ist, die sich durch die Musiktauschbörse Napster in ihrer Existenz bedroht fühlen. Freie Software wie das Betriebssystem Linux zeigt, dass Software erfolgreich sein kann, obwohl ihr Code nicht urheberrechtlich geschützt ist. Themen der Konferenz sind unter anderem das Netz als Medium "kollektiver Intelligenz", Software-Patente und Bioinformatik sowie die zukünftige Rolle der Universitäten.
Informationen zur Konferenz:
www.wizards-of-os.org