Trojaner // Zwei der beliebtesten Programme für den Datentausch über das Internet sind mit einem so genannten Trojaner verseucht. Sowohl Grokster als auch Limewire geben auf ihren Internet-Seiten ein Problem mit diesem Spionage-Programm zu. Gleichzeitig versichern die beiden Unternehmen, dass die aktuellen Versionen der Software inzwischen vom Trojaner bereinigt wurden.
Die "Erben Napsters" sind inzwischen erfolgreicher als Napsters selbst es je war. Die Internet-Musiktauschbörse FastTrack, bei der man Songs im MP3-Format tauschen kann, hat inzwischen mehr Benutzer als Napster in seiner besten Zeit.
In der zweiten Jahreshälfte 2001 ist die Zahl der Nutzer nach Angaben des Marktforschungsinstituts Webnoize um 480 Prozent angestiegen. Im November haben im Schnitt mehr als 1,57 Millionen Internet-Surfer das Netzwerk gleichzeitig genutzt - mehr als Napster zu seiner Hochzeit Anfang des vergangenen Jahres, in der im Schnitt anderthalb Millionen User gleichzeitig online waren. Napster selbst mußte nach einem verlorenen Verfahren wegen Verletzung von Urheberrechten den Betrieb einstellen. FastTrack läuft inzwischen genauso schnell wie Napster, ist aber leichter zu bedienen und bietet außer Musik auch Filme und Software.
Den Zugang zum FastTrack erhält man über eine Reihe von Gratis-Programmen, die von verschiedenen Herstellern angeboten werden. Deren erfolgreichstes ist die Software Morpheus: knapp 40-Millionen-mal ist die Software allein bei der Website download.com heruntergeladen werden. Zum Jahresbeginn 2002 hat der Hersteller, die Firma MusicCity, eine neue Version angekündigt. Die ist nicht nur mit dem neuen Windows XP kompatibel, sondern erlaubt neben dem Zugriff auf FastTrack auch den auf das Filesharing-Netzwerk Gnutella - also auf noch mehr Musikdateien. Auch eine Version der Software für Macintosh-Rechner ist für Februar angekündigt; eine Version für das alternative Betriebssystem Linux gibt es bereits seit Dezember.
Das Internet-Marktforschungsinstitut Webnoize schätzt, dass im Oktober 18 Millionen Dateien über FastTrack getauscht worden sind. Außer der Morpheus-Software können dafür auch die Programme KaZaa und Grokster verwendet werden, die von anderen Internet-Musikfirmen angeboten werden. Alle drei Programme basieren auf der Software von FastTrack, einer Firma aus Amsterdam.
Der entscheidende Unterschied zwischen den FastTrack-Angeboten und Napster: FastTrack ist ein dezentrales Netzwerk. Bei Napster gingen alle Anfragen der User über einen Zentralrechner, auf dem man nach den gewünschten Musiktiteln suchen musste. Bei FastTrack muss man nicht mehr einen zentralen Server benutzen, vielmehr verschiebt das Programm selbständig das "Inhaltsverzeichnis" von einem Internet-Recher zum nächsten - je nachdem, welcher gerade Kapazitäten frei hat.
Nach Ansicht von Experten ist es darum nicht möglich, FastTrack - so wie Napster - einfach per Gerichtsbeschluss den Betrieb zu untersagen. Die Justiz kann zwar die Firmen, die Software für das Musiktausch-Netzwerk anbieten, belangen. Aber da das Programm bereits im Umlauf ist, kann das dezentrale Netz so lange weiter existieren wie es User gibt, die sich am Filesharing mit der FastTrack-Software beteiligen. Sowohl in den USA wie auch in Holland wurde gegen FastTrack inzwischen geklagt.
Ein Gericht in Amsterdam hatte die Firma FastTrack dazu aufgefordert, ihren Service bis zum 13. Dezember vergangenen Jahres einzustellen oder eine tägliche Geldstrafe in Höhe von 100 000 Euro zu bezahlen. Fast Track ließ die Frist verstreichen, der Musiktausch geht fröhlich weiter. "Wir glauben, dass das Gericht seine Anweisung nicht richtig durchdacht hat", sagte der Anwalt des Unternehmens, Kristiaan Alberdinck Thijm. Das Unternehmen steht auf dem Standpunkt, dass nicht ihre Software für den widerrechtlichen Tausch von MP3-Dateien verantwortlich sei.
Die Zukunft das ersten, großen Filesharing-Netzwerks Napster ist unterdessen weiter offen. "Anfang des Jahres" wollte man nach Angaben des Unternehmens, das unter anderem vom Bertelsmann finanziell unterstützt wird, mit einer neuen, kostenpflichtigen Version des Filesharing-Netzes an den Start gehen. Details waren bisher noch nicht zu erfahren. Ein Termin für einen Neuanfang im Juni war im vergangenen Jahr nicht eingehalten worden.