Man wundert sich, wozu die Kollegen in den Internet-Redaktionen so alles Zeit haben. So haben sich die Mitarbeiter von Spiegel-Online in den vergangenen Monaten intensiv darum gekümmert, eine alte Kaffeemaschine wieder ins Internet zu bringen.
Allerdings handelt es sich bei der AromaPlus, die nun auf der Homepage von Spiegel-Online zu besichtigen ist, nicht um irgendeine alte Kaffeemaschine. Oh nein, vielmehr ist dies die erste Kaffeemaschine der Welt, deren Bild - und vor allem: deren Inhalt - man im Internet besichtigen konnte.
Zehn Jahre lang stand sie in der Informatikabteilung der britischen Universität Cambridge im so genannten Trojan Room. Bald, so will es die Internet-Legende, hatte ein Programmierer namens Quentin Stafford-Fraser genug davon, ständig dorthin zu laufen, um nachzusehen, ob noch Kaffee da war. Zusammen mit seinen Kollegen bastelte er in nur einem Tag eine Kamera, die das Bild der Kaffeekanne ins universitäre Computernetzwerk einspeiste. Stafford-Fraser und seine Kollegen konnten nun jederzeit sehen, ob noch Kaffee da war. "Besser geworden ist der Kaffee dadurch allerdings nicht", scherzte ihr Erfinder später gegenüber Reportern.
Ab 1994 wurde das Bild von der Kaffeekanne auch ins Internet übertragen, wo sich das Kaffee-Gucken schnell zum Kult entwickelte. Zwei Millionen Surfer hatten sich im Mai 1998 schon vom ordnungsgemäßen Zustand der Kaffeemaschine überzeugt. Heute stehen rund um den Globus Millionen von Kameras, die ans Internet angeschlossen sind, aber 1994 war der "Trojan Room Coffee Pot" die erste Webcam auf der ganzen Welt.
Mit dem Online-Kaffee war es im Sommer 2001 allerdings vorbei: nicht nur, dass die Informatikabteilung von Cambridge in ein neues Gebäude umzog. Auch die Krups Aroma Plus gab ihren Geist auf. Statt das pralle Stück Internet-Geschichte einfach dem Sondermüll für Braunware zu überlassen, versteigerten die britischen Informatiker das Gerät lieber - im Internet, versteht sich.
Die Redaktion von Spiegel-Online hat das gute Stück damals für über 10 000 Mark ersteigert, der Hersteller die Maschine noch einmal repariert. Nun steht sie in Hamburg vor einer Webcam und brüht wieder - und wieder können ihr Menschen auf der ganzen Welt über das Netz dabei zusehen. Nun können sich auch die Redakteure bei Spiegel-Online davon überzeugen, dass Kaffee durch Netzanschluss nicht besser wird.
Kaffee im Internet
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