Und wieder geht die Recording Industry Association of America (RIAA) gegen Filesharing-Dienste vor. Am Mittwoch verklagte die Lobby der US-Musikindustrie die Internetfirmen MusicCity.com, Grokster und Consumer Empowerment. Consumer Empowerment stellen die Software FastTrack her, die eine Reihe von Unternehmen benutzen, die Filesharing-Angebote im Internet machen. MusicCity, Kazaa und Grokster, die in der Presse schon als die "Erben Napsters" bezeichnet worden sind, erlauben ihren Benutzern, Musiktitel, die sie auf ihrem Computer gespeichert haben, mit anderen über das Netz zu tauschen. Dazu brauchen sie die FastTrack-Software.

Anders als Napster funktioniert FastTrack als dezentrales Netzwerk. Bei Napster mussten sich alle User bei einem Zentralrechner anmelden und dort nach den gewünschten Musiktiteln suchen; erst dann wurden sie direkt mit dem Computer des Users verbunden, der das gesuchte Stück auf seinem Rechner gespeichert hatte.

Bei FastTrack ist es nicht mehr nötig, über einen zentralen Server zu gehen, weil einige der angeschlossenen Computer auch als Server dienen. Das Vorbild für diese Methode ist das Programm Gnutella, das allerdings den Nachteil hatte, langsam und schwer zu bedienen zu sein. Doch FastTrack läuft nicht nur sehr schnell, sondern ist auch komfortabler zu bedienen als beispielsweise die alte Napster-Software. Inzwischen hat man mit FastTrack auch Zugriff auf eine attraktive Auswahl an Musik.

Nach Ansicht von Experten ist es fast unmöglich, FastTrack zu "schließen", wie es bei Napster geschehen ist - einfach, weil es keine "Zentrale" gibt, an die man sich wenden kann. Die amerikanischen Richter können höchstens die Firmen wie MusicCity oder Kazaa dazu verdonnern, die Software nicht mehr zum Download anzubieten.

Ausschluss aus dem Internet?

Doch selbst wenn alle Anbieter, die mit FastTrack arbeiten, vom Netz gehen würden, würde das Programm weiterhin die Nutzer der Software miteinander verbinden. Die einzige Methode, FastTrack zu stoppen, wäre es, allen den Zugang zum Internet zu verwehren, die das Programm auf ihrem Rechner haben - und das sind ganz schön viele. Allein in der vergangenen Woche wurde das Programm mehr als eine Million Mal heruntergeladen; FastTrack gibt an, dass ihre Software insgesamt 34 Millionen Mal abgerufen worden sei.

Gegen die Hersteller von FastTrack können amerikanische Richter dagegen nichts ausrichten, denn die sitzen in Europa. Das Mini-Unternehmen besteht aus einem schwedischen Geschäftsführer, einem dänischen Programmierer und einem holländischen Produktmanager. Erreichbar sind sie nur per E-Mail oder über eine Postfach-Adresse in Amsterdam.

Die fünf großen internationalen Plattenfirmen haben angekündigt, in diesem Herbst Internet-Angeboten zu starten, bei denen gegen Abonnementgebühr Musik zum Download angeboten wird. "Press Play" wird von Sony und Universal betrieben, hinter "Musicnet" stehen AOL Time Warner, EMI Bertelsmann, Real Networks und die unabhängige Musikfirma Zomba. "Mit dem bevorstehenden Launch der legalen Abo-Angebote müssen wir unsere Kunden zurückgewinnen", schrieb RIAA-Präsidenten Hilary Rosen in einer E-Mail, die die Website "Dotcomscoop" veröffentlicht hat.

Napster hat sich inzwischen außergerichtlich mit den Musikverlagen geeinigt. Das Unternehmen zahlt 36 Millionen Dollar für das Recht, Musik der großen Labels online zu verbreiten.