BERLIN, 4. April. Jetzt redet er wieder: Das Urteil gegen Microsoft "zeigt, was fast jeder Mensch in der Welt weiß - Microsoft ist ein Monopolist, der illegal agiert hat", gab Scott McNealy, Vorstandsvorsitzender der Software-Firma Sun und Intimfeind von Bill Gates,
Merkwürdige Stille herrscht dagegen bei den übrigen Firmen, die von Microsoft mit Geschäftsmethoden schikaniert wurden, welche jetzt gerichtlich als unlauter verurteilt worden sind. Steve Jobs, Chef des ewigen Zweiten, Apple? Kein Kommentar. Andy Grove, Boss des Chipherstellers Intel, der von Bill Gates Software auf schmerzhafte Weise angewiesen ist? Kein Statement. Selbst bei SAP in Deutschland heißt es knapp: "Solche Vorgänge kommentieren wir nicht."
Kein Wunder: Alle diese Firmen sind von Microsoft abhängig. Wenn Microsoft keine neuen Versionen von Word mehr für Apple-Computer entwickelt, retten auch die neuen transparenten Gehäuse die Firma nicht. Wenn Microsoft technische Informationen über "Windows" zurückhält, kann Intel seine Chips nicht optimieren. Wenn Microsoft SAP nicht unterstützt, wird es für die Deutschen schwierig, ihre Software für Microsoft-Windows-Plattformen zu entwickeln.
Als der amerikanische Regierungsanwalt Joel Klein im vergangenen Jahr ins Silicon Valley reiste, um prominente Zeugen für das Verfahren gegen Microsoft zu finden, schlug ihm "dröhnende Stille" entgegen, wie es die amerikanische Internet-Zeitschrift
Im privaten Vier-Augen-Gespräch schütteten die Chefs der Computer-Firmen dem Kartellrechtschef des amerikanischen Justizministeriums zwar gerne ihr Herz über das "Reich des Bösen" Microsoft aus: Der Konzern gängele sie durch seine Marktmacht; seine Doch vor Gericht wiederholen wollte diese Vorwürfe niemand - zu groß war die Angst, dass Microsoft Rache nehmen könnte.
Lediglich Jim Barksdale sagte in Washington gegen Microsoft aus. Als ehemaliger Geschäftsführer von Netscape hat er nichts mehr zu verlieren: Die Firma, wegen der das Monopolverfahren einmal begonnen hatte, ist von Microsoft längst aus dem Internet-Geschäft gedrängt worden und hat den "Browserkrieg" nur überlebt,