Wenn s am schönsten ist, soll man gehen. Der Berliner Club WMF hat in seiner sechsten Inkarnation auf der Ziegelstraße diese Weisheit vergessen und ist von der Berliner Ausgeh-Gesellschaft hart abgestraft worden: zuletzt war das WMF am Wochenende leer und langweilig. Am Donnerstag machte es darum mit einer letzten Party zu.
Wenn s am schönsten ist, soll man gehen. Sich dieser Weisheit zu erinnern, war bei der Abschiedsparty nicht leicht. Schon um halb eins war der Club so voll, das nur noch Stammgäste eingelassen wurden. Um eins hätte eigentlich die Tanzfläche wegen Überfüllung geschlossen werden müssen, um drei Uhr der ganze Laden. Die anfangs leicht melancholische Atmosphäre kippte schnell in eine wilde Feier-Stimmung, und die Nacht wurde zu der Art von Partyexzess, wegen der viele das WMF in seiner Hochzeit als einen der besten Clubs der Welt betrachteten.
Das WMF hat sich nie einem Musik- und Lebens-Stil so verschrieben, wie das andere Berliner Clubs getan haben. Der Tresor macht Techno, das Maria war der Studenten-Treffpunkt, das Cookies die Party-Hölle. Das WMF war immer vielschichtiger und darum schwieriger, aber in seinen besten Momenten auch aufregender und interessanter als jeder andere Club in Berlin. Die Kollision von verschiedenen Szenen, die Ambiguität, die das WMF ausmacht, führt zu Friktionen, aus denen sich so granatengute Partys wie jene vom Donnerstag entwickeln können.
Wie in Berlin bei derartigen Anlässen üblich, wurde zum Abschied vom WMF noch einmal tüchtig Häme verbreitet: mit windigen Argumenten wurde das WMF ausgerechnet im Szene-Fachjournal "Süddeutsche Zeitung" zum Treffpunkt der New Economy erklärt, dem Auch sonst hatte das Feuilleton für das WMF allerhand naseweise Ratschläge parat: zu viel Experimente, zu viele VJs, zu viele Diskussionsveranstaltungen unter der Woche.
Alles Quatsch. Wenn dem WMF zuletzt wirklich etwas vorzuwerfen war, dann nicht, dass es sich Mühe mit seiner Ausstattung gibt oder dass es neben Partys am Wochenende auch anderen Veranstaltungen Platz geboten hat. Nein, das wirkliche Problem des WMFs waren zuletzt die fantasielosen und langweiligen Haus-DJs. Wer Woche für Woche einen Mitja Prinz an die Plattenteller stellt, muss sich nicht wundern, wenn niemand mehr zum Tanzen kommt.
So wie sich Disco Ende der 70er-Jahre für eine Denkpause aus dem Mainstream in die Subkultur zurückzog, um zehn Jahre später als House und Techno wieder zu kehren, so scheint auch die Clubkultur des Nachwende-Berlin nach gut zehn Jahren einen Das Cookies ist schon so ein Refugium, das WMF könnte - wenn es demnächst an neuer Stelle wieder eröffnet - ein weiteres werden. Das WMF ist tot, lang lebe das WMF.