24 Stunden Giga // Am heutigen Freitag wird Giga drei Jahre alt. Der Sender strahlt zur Feier des Tages einen 24-stündigen Programm-Marathon aus, der in der Nacht von Donnerstag auf Freitag um 24 Uhr begonnen hat. Nach eigenen Angaben ist der Sender danach Guinness-Rekordhalter in der Kategorie "Längste (Live-)TV- und Internet-Show".

Normalerweise sendet Giga täglich von 15 bis 20 Uhr. Von Mitternacht bis zwei Uhr nachts gibt es die Sendung "Giga Games". Danach wird das siebenstündige Tagesprogramm wiederholt.

Giga gehört der Produktionsfirma DFA und wird in Deutschland sowie in Teilen von Österreich und der Schweiz auf dem Kanal von NBC Europe ausgestrahlt. Die DFA ist auch an den Lokalsendern Hamburg 1 und tv nrw beteiligt, und liefert Programm für ntv, CNBC und andere Sender.

Giga www. giga. de ACTION PRESS Mit einem schwungvollen Zoom verbirgt der Fotograf das Chaos, das im Studio von Giga herrscht.

Giga ist ein Phänomen. Es ist eines der TV-Formate, bei denen man beim Zappen hängen bleibt. Und dann langsam immer tiefer hineingezogen wird, während man sich darüber wundert, wie um alles in der Welt so etwas ins Fernsehen kommt: ein paar Leute Anfang zwanzig, die meisten von ihnen ohne Sprechausbildung und ohne erkennbare journalistische

Das klingt wie die langweiligste Sendung der Welt. Doch dem selbsternannten "Programm der Generation @" ist gelungen, was noch kein anderer deutscher Fernsehsender geschafft hat: eine überzeugende Symbiose aus Fernsehen und Internet, die auch noch bei Jugendlichen ankommt. Am heutigen Freitag wird die Sendung, die auf NBC Europe läuft, drei Jahre alt.

Mit geringem Budget

Giga funktioniert ähnlich wie die Call-In-Sendung "La Notte" auf Neun Live oder die endlosen Teleshopping-Kanäle: die Sendung bewegt sich an der Grenze zum Dilettantischen, die Moderatoren müssen ununterbrochen reden, denn die Sendungen werden mit

Im Gegensatz zu manchen anderen Low-Budget-Veranstaltungen bei Minisendern ist Giga allerdings ein Erfolg. Für die Sendung werden zwar keine Quoten erhoben, aber die Interaktion zwischen Zuschauern und Sendung ist intensiv: die Moderatoren werden mit E-Mails überschüttet, die Website ist mit 40 Millionen Page Views im Monat die erfolgreichste Für die Show arbeiten inzwischen 120 Leute. Es gibt Regionalstudios in Hannover, Hamburg und Bremen, und nun denkt man bei Giga darüber nach, aus der Show ein Vollprogramm zu machen, das rund um die Uhr sendet.

Schon jetzt läuft Giga an jedem Wochentag von 15 bis 20 Uhr. Von Mitternacht bis zwei Uhr gibt es die Sendung Giga Games, die genauso aufgebaut ist, sich aber mit Computerspielen beschäftigt. Danach wird das Tagesprogramm wiederholt. Das macht geschlagene zwölf Stunden pro Tag, in denen kaum mehr zu sehen ist als Leute, die vor Rechnern sitzen und im Netz surfen.

Die Moderatoren erzählen dabei, was sie sich gerade im Internet ansehen. Das meiste stammt von der Giga-Homepage; im Grunde ist die ganze Sendung nicht viel mehr als eine ausführliche Gebrauchsanweisung für das Internet im Allgemeinen und www.giga.de im Besonderen.

Die Moderatoren, die einen milden, abgeklärten Zynismus gemeinsam haben, lümmeln dabei hinter ihren mit Fußbällen, Linux-Pinguinen und anderem Krimskrams voll gemüllten Schreibtischen. Wenn sie sich nicht gerade durch ihre Moderationen haspeln, machen sie Witze über dem Kameramann oder kabbeln sich mit dem Regisseur im Off. Bei Giga wird alles vor laufender Kamera ausgetragen.

Oft hat man das Gefühl, in einer besonders albernen Ecke auf dem Schulhof gelandet zu sein. Die Giga-Moderatoren wirken wie die Tpyen, die in der Pausenhof-Clique immer den Ton angegeben haben. Wenn nicht die perfekt produzierten Trailer und Einspieler wäre, könnte all das auch im Offenen Kanal stattfinden.

Bilder im Briefmarkenformat

Ab und zu sehen wir Großaufnahmen vom Computermonitor des Moderators. Die Schrift auf den Webseiten wirkt wie kleine Ameisen, die Bilder haben Briefmarkenformat, zu erkennen ist nichts. Aber wir sind eingeladen mitzusurfen, und wahrscheinlich tut das die Zielgruppe auch.

Moderatorin Jessica weist auf ein Forum auf der Giga-Homepage hin, in dem über eine neue "Happy-Pille" aus England diskutiert wird, die gegen Unsicherheit helfen soll. Sofort beginnt sich die Website mit Kommentaren zu füllen, die Jessica nun wieder in der Show vorlesen kann. Der "Inhalt" der Sendung produziert sich selbst, und wieder fragt man sich wieder, wie so was nur ins Fernsehen kommt.

Diese Frage geht allerdings von einer falschen Voraussetzung aus: nämlich der, dass Fernsehen von professionellen Journalisten oder Moderatoren gemacht wird, dass Sendungen einen Anfang und ein Ende haben und dass das, was dazwischen passiert, in

Wer sagt aber, dass diese Standards für jeden Sender und jedes Format zu gelten haben? Es ist keineswegs verboten, Leute zu zeigen, die in einem Studio herumlungern, durchs Netz surfen, mit der deutschen Sprache ringen und gelegentlich Grimassen schneiden. Dass Derartiges normalerweise nicht im Fernsehen gezeigt wird, ist bloß eine Konvention. Giga ignoriert diese Konvention mit Erfolg.

Nach dem Flop der letzten "Big-Brother"-Staffel ist das "Real Life TV" vorschnell totgesagt worden. Doch Giga ist seit drei Jahren der Beweis, dass sich Fernsehzuschauer nach wie vor im TV gerne ganz normale Leute wie sie selbst ansehen. Je mehr Sender es gibt, desto selbstverständlicher werden solche Fernsehprogrammen werden. Wenn erst aus jedem Jugendzentrum und aus jedem Club ein Fernsehkanal ins Internet sendet, werden wir uns daran gewöhnen, dass die tradierten Standards der TV-Unterhaltung nicht mehr gelten und dass statt Peter Frankenfeld und Thomas Gottschalk nun