DISNEY/PIXAR Für Trailer von Filmen wie "Monster AG" verlangt T-Online kein Geld.

Wenn ich Visionen habe, gehe ich zum Arzt", soll Altbundeskanzler Helmut Schmidt einmal gesagt haben. Bei T-Online hat man den Rat nicht befolgt: Das neue Breitband-Internetangebot, das T-Online am Mittwoch auf der Cebit vorgestellt hat, heißt T-Online Vision und ist eine Art Entertainment-Portal. Darin kann man Songs, Filmausschnitte und Computerspiele herunterladen oder online ansehen. Zu den "Content-Highlights" gehören Videos von Hitparaden-Songs und Trailer von Filmen wie "Monster AG" und "Kleopatra". Die sind ohne Stottern und in einer für Internet-Verhältnisse guten Qualität zu empfangen, wenn man einen schnellen Internet-Zugang hat und T-Online-Kunde ist. Von der "Medienkonvergenz in Richtung TV", von der T-Online-Vorstand Thomas Holtrop in Hannover sprach, ist das freilich weit entfernt. Wer die Clips in TV-Qualität sehen will, muss nach wie vor Musiksender wie MTV oder Viva anschalten.

Offenes Product Placement

Darüber hinaus bietet T-Online Vision einige wenige eigene Angebote. Bei dem interaktiven Spielfilm "Jack point Jack" kann der User an einigen Stellen in der Handlung per Mausklick entscheiden, was der mittellose Musiker Jack tun muss, um zu einem Live-Auftritt zu kommen. Der Online-Film wird zum Teil durch eine Werbekooperation mit einem Sportbekleidungshersteller finanziert: Alle Darsteller tragen gut sichtbar Pullis der Marke - im Fernsehen wäre diese Art von Product Placement nicht erlaubt. Auch sonst ist T-Online Vision keineswegs werbefrei: Wer sich einen Trailer für das neue Lara-Croft-Spiel ansieht, bekommt gleich noch eine Reihe von Konsumangeboten mitgeliefert. Links zur Homepage eines Online-Versands bieten ihm an, einen Gameboy oder ältere "Tombraider"-Spiele zu bestellen. Am Freitag wird ein Doppelkonzert der Bands Bro Sis und No Angels auf der Cebit live über T-Online Vision übertragen. Dieses Konzert kann man noch umsonst sehen, andere Angebote sind bereits kostenpflichtig.

Andere AOL-Strategie

T-Online Vision ist Teil von Holtrops Strategie, im Internet Geld durch Bezahl-Inhalte zu verdienen. So kann man zum Beispiel die neueste Folge der RTL-Serie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" ("GZSZ") einen Tag vor der Fernsehausstrahlung für etwa 90 Cent im Internet ansehen. Computergames wie das "Werner-Spiel" können für 50 Cent pro "Level" online gespielt werden. Diese Medienangebote sollen nicht nur per PC abrufbar sein. In Zusammenarbeit mit Hardware-Herstellern will T-Online auch PDAs und Handys anbieten, die die kostenpflichtigen Online-Angebote nutzen können. Nach Vorstellung von Holtrop soll es möglich sein, sich ein Bundesligaspiel live in der Straßenbahn auf dem Handheld anzusehen.

T-Online-Konkurrent AOL hat bereits seit September ein Breitband-Angebot, das in diesen Tagen ebenfalls in einer überarbeiteten Version online geht. AOL-Mitglieder bekommen für ihren monatlichen Mitgliedsbeitrag den gesamten Content kostenfrei zur Verfügung gestellt. AOL-Geschäftsführer Klaus Täubrich verfolgt im Gegensatz zu Holtrop eine andere Strategie. Er sagte kürzlich: "Wir glauben, dass man mit kostenpflichtigen Inhalten kurzfristig nicht so hohe Erlöse erzielen kann wie mit Werbung."