Das nächste Spiel ist immer das schwerste", hat Peter Kabel in einem Fragenbogen des "Medien Bulletin" auf die Frage nach seinem Lebensmotto geantwortet. Das Spiel, das nun für ihn begonnen hat, dürfte das allerschwerste seines Lebens werden. Seine Firma Kabel New Media scheint vor der Pleite zu stehen. Am Freitagmorgen gab das Unternehmen bekannt, dass es alle Zahlungen einstellt, nachdem ein potenzieller Investor die Gespräche mit dem Management abgebrochen hat.
Jetzt wird es wirklich ernst für die New Economy in Deutschland. Bisher kannte man dramatische Pleiten und Massenentlassungen bei Internet-Unternehmen nur aus den USA. Hier zu Lande waren vom Konkurs vorwiegend mittelständische Firmen betroffen. Doch nun hat es die größte Multimedia-Agentur Deutschlands erwischt. Die Firma ist in den neunziger Jahren vom Hinterzimmer-Start-Up zu einer Agentur mit Hunderten von Angestellten und Büros in anderen Ländern gewachsen. Nun wird sie zum Opfer einer der Weisheiten, mit der Peter Kabel noch vor kurzem die "Old Economy" zu schockieren pflegte: "Die Schnellen fressen die Langsamen."
Kabel New Media ist in zehn Jahren von einem kleinen wendigen Beiboot zum großen, unmanövrierbaren Tanker geworden. Die Gestaltung von Internet-Seiten haben ihnen kleine, flexiblere Webdesign-Agenturen abgenommen; ihre Internet-Strategie denken sich die ehemaligen Kunden inzwischen selbst aus. Kabel New Media ist zum Opfer seines eigenen Erfolgs geworden. Und andere Multimedia-Großagenturen wie Pixelpark oder Sinner Schrader könnten ihnen bald folgen.