Der Berliner Designer Van Bo Le-Mentzel hat einen ethisch und ökologisch korrekten Turnschuh entwickelt. Am Samstag wurden die fertigen Schuhe für den Versand vorbereitet - von freiwilligen Helfern im Dienst der guten Sache, versteht sich.

Der in Laos geborene Architekt, der mit zwei Jahren nach Deutschland kam, ist durch seine HartzIV-Möbel bekanntgeworden: Sessel, die man aus einem einzigen Brett selbst zimmern kann.

Wenn die Wohnung mit selbst gebauten Fichtenholz-Möbeln eingerichtet ist, muss man sich natürlich noch anziehen. Und so hat Le-Mentzel nun einen Schuh produziert, der den klassischen Chucks verblüffend ähnlich sieht. Diese Textilschuhe wurden 1917 von dem US-Baseballer Chuck Taylor entworfen und waren ursprünglich als reine Basketballschuhe gedacht. Inzwischen sind die Treter aus Leinwand und Gummi das erfolgreichste Schuhmodell aller Zeiten. "Diese Schuhe sind für mich der Turnschuh überhaupt", sagt Le-Mentzel. "James Dean und Marilyn Monroe haben sie getragen."

Etwa eine Milliarde Chucks sollen in knapp hundert Jahren verkauft worden sein, bis Anfang des Jahrtausends von der Firma Converse. Seitdem Nike die Marke Converse vor neun Jahren aufgekauft hat, werden sie in China, Indien und Malaysia unter unfairen Bedingungen produziert, findet Van Bo Le-Mentzel: Wer Sneakers von Nike kauft, kauft für ihn schlechtes Karma mit.

Weil er Chucks tragen will, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, ist Le-Mentzel selbst in die Turnschuhproduktion gegangen. Er suchte über eine Crowdfunding-Plattform Mitinvestoren, die für 70 Euro ein Paar der 500 "Karma Chakhs" haben wollten. ("Chakh" bedeutet auf Punjabi "Erhebe Dich".) Sie nennt er "Prosumenten" - Konsumenten, die zu Produzenten geworden sind. Mehr als 500Schuhe soll es nicht geben, dieses Projekt ist ein Modell, das andere nachmachen sollen: "Ich stelle alle Informationen über die Produktion dieses Schuhs ins Internet, dann kann jeder seine eigenen Turnschuhe produzieren", sagt Ziel sei es nicht, ein alternatives Unternehmen zu gründen, sondern Unternehmen ganz überflüssig zu machen.

Geben und nehmen

Produziert wurde in Indien, Sri Lanka und Pakistan. Le-Mentzel reiste eigens zu den Produktionsfirmen, um sich von deren Integrität zu überzeugen. Die "Crowd" der Investoren wurde an allen Entscheidungen über den Schuh beteiligt, und ist für einige der wenigen Unterschiede zu den Orginal-Chucks verantwortlich: Die Sohle ist grün statt braun und mit einem künstlerisch gestalteten Relief Statt des Sternlogos an der Seite gibt es ein selbstgemaltes Karma-Badge und hinten auf der Sohle steht Give und Take.

Letzte Woche sind die Schuhe nun in Deutschland eingetroffen und müssen an die Investoren verschickt werden. Den Versand übernimmt natürlich auch die Crowd. Und so haben sich am Sonnabend auf dem Parkplatz des Kreuzberger Beta Haus ein gutes Dutzend freiwillige Helfer eingefunden, die bei brütender Hitze große Kisten aus einem bunt bemalten VW-Bus schleppen, die Schuhkartons aus- und wieder in Pakete Packaging Party nennt Le-Mentzel das, und in der Tat ist die Atmosphäre fröhlich: ein paar Leute machen Musik, es gibt Erdbeeren und Limo, und die Crowd der Unterstützer ist guter Dinge.

Ist das nun Design, Kunst oder politischer Aktivismus? "Was ich mache, ist so neu, dass es dafür keinen Namen gibt. Ich selbst nenne mich Karma-Ökonom", sagt Le-Mentzel. "Letztlich ist es mir auch egal, wie man das nennt. Hauptsache, alle sind happy, und wir haben einen Schuh."

------------------------------

Foto: Rot-Grün: Van Bo Le-Mentzel und seine Karma Chakhs.