BLZ/MIKE FRÖHLING Die Virtualley-Gründer sind vom Erfolg ihres Angebots überzeugt.
BLZ/BRAUN So kann man im Netz unter www. inomic. ms eine Internet-Adresse mieten.
Der Spruch, der fett gedruckt in der Selbstdarstellung steht, ist ganz schön frech: "Wir werden den schönsten und coolsten Dienst webweit kreieren und damit innerhalb eines Jahres die weltweite Marktführerschaft ereichen." Doch so angeberisch der Satz klingt, er könnte stimmen: die Geschäftsidee, die die vier Gründer des Berliner Start-up-Unternehmens Virtualley vor anderthalb Jahren hatten, ist tatsächlich einzigartig. Ob allerdings jemand den Dienst, den Virtualley seit dieser Woche im Netz anbietet, überhaupt braucht, weiß keiner. Das ist der Nachteil, wenn man eine einzigartige Idee hat.
Henning Erdmann ist der Marketingchef von Virtualley und hat die undankbare Aufgabe, der Welt die Geschäftsidee von Virtualley zu erläutern. "Wir wollen Internet-Adressen möglich machen, die klingen, wie die Sprache, die wir sprechen - nicht wie Computerbefehle", sagt er. Dafür hat man sich bei Virtualley ein neues System einfallen lassen, das "inomic.ms" genannt wird. Auf der Website "www.inomic.ms" kann man sich für mindestens zwei Wochen - aber auch länger - eine "Kurzzeitwebsite" einrichten. Und die kann so gut wie jede Webadresse in deutscher Sprache gespeichert werden. Ziel des Angebots ist es, einprägsame Internet-Adressen wie "ich.liebe.dich" anzubieten, die man für drei Euro für zwei Monate mieten kann.
Dafür haben die inomic-Macher 24 000 Internet-Adressen mit der Top-Level-Domain .ms angemeldet. Das ist zwar eigentlich die Länderkennung für die britische Kronkolonie Montserrat in der Karibik. Aber da die "im Grunde nur aus einer Insel mit einem Vulkan darauf besteht", wie Henning Erdmann sagt, und niemand Domains anmeldet, sind dort noch jede Menge Internet-Adressen frei - ganz im Gegensatz zu Deutschland, wo inzwischen 3,4 Millionen
Fünf Monate ließ Virtualley Studenten nach Worten suchen, die häufig am Ende von Sätzen stehen. Diese Worte meldete die Firma als Domainnamen an, und ist nun im Besitz von Internet-Adressen wie "ist.ms", "nicht.ms" oder "lich.ms". Daraus kann jeder Kunde eine leicht zu merkende URL bilden. Wer ein kleines Programm von der Website herunterlädt, muss in seinen Browser nur noch "du.bist.eingela.den" eingeben, um zu einer Website zu kommen, auf der die Einladung zu einer Feier wartet.
Wer letzte Woche in Potsdam auf einem Grillfest war und für die Gäste eine Website mit Fotos zusammengestellt hat, muss nicht mehr die komplizierte Internet-Adresse seiner privaten Homepage am Telefon durchgeben, sondern kann bei inomic die Adresse
"Eine echte Webpräsenz zu haben wird durch uns so einfach wie das Schreiben einer Postkarte", heißt es auf der Website des Unternehmens. Aber auch Firmen können ihre Werbeslogans zu Webadressen machen: Toyota könnte zum Beispiel "nichts.ist.unmögl.ich" mieten, die Kneipe an der Ecke "freds.bar". Nach Ansicht der Virtually-Macher kann man sich solche Namen leichter merken als die normalen Internet-Adressen. Außerdem sei das im Zeitalter der immer knapper werdenden Domainnamen eine Methode, um den "Namespace" der möglichen Internet-Adressen zu erweitern.
Denn statt mit dem Netz eine schnelle Mark zu machen, wollen die Gründer von Virtualley vor allem das Web mehr Menschen zugänglich machen. "Jedem das Recht auf seine eigene Seite", heißt es in ihrer Werbung. Das ist ein Spruch, der fast wie ein Hackerslogan klingt. Und tatsächlich sind einige der Programmierer Mitglied im ChaosComputerClub und arbeiten auch aus Idealismus für die Firma.
Virtualley ist zwar in vieler Hinsicht ein typisches Start-up-Unternehmen, das, wie es sich gehört, seine Büros in Berlin-Mitte hat und mit Risikokapital finanziert ist. Doch die Allüren vieler jungen Internet-Firmen sind den Machern fremd. "Hier fährt niemand einen Ferrari, wir zünden unsere Zigarren auch nicht mit Geldscheinen an, und wir werden auch kein Geld für teure Fernsehwerbung aus dem Fenster werfen", sagt Henning Erdmann. "Dafür wird es uns auch noch in zehn Jahren geben." Ob das Modell sich in der Praxis durchsetzen wird, ist freilich alles andere als sicher. Klaus Herzig, der Pressesprecher der Denic, die die deutschen Internet-Adressen verwaltet, meint: "Die Leute wollen einen möglichst kurzen Namen, der beschreibt, was auf einer Site zu sehen ist."
Sören Heinze, der Sprecher der Strato AG, dem größten Webhoster Deutschlands, ist anderer Ansicht. Er hält das Angebot für eine "beachtenswerte Alternative", schränkt allerdings ein: "Das ist vor allem etwas für Leute, die eine Website zu einem bestimmten Ereignis machen wollen."
Die Virtualley-Gründer sind von dem Erfolg ihres Angebots überzeugt. Sie glauben, dass es sich vor allem durch Internet-Mundpropaganda verbreiten wird: "Wenn Sie zehn Leuten ihre Webmessage schicken, sind mindestens zwei darunter, die das auch haben wollen", sagt Hauke Fischbeck, General Manager des Start-ups.