Ich bin überrascht, wie wenig technische Pannen es bisher gegeben hat", sagt Udo Röbel, der Chef von bild. de am Mittwochnachmittag in einem Telefon-Interview. Einige Sekunden später verschwinden plötzlich kurzzeitig die Bilder von der Homepage der "Bild"-Zeitung. Dann erscheint auf dem Monitor eine überarbeitete Version der Homepage.

Seit 1. 37 Uhr in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ist die neue Internetpräsenz der "Bild"-Zeitung online. Während unter www. bild. de bisher fast nur Artikel aus dem gedruckten Blatt zu finden waren, sollen auf der Website in Zukunft aktuelle Informationen, Spiele und "Nutzwertiges" zu finden sein.

Neu sind die so genannten "Bühnen": verschiedene, etwas verschachtelte Rubriken mit PC-Spielen, Pin-Up-Bildchen oder Tipps zu Auto, Reise oder Kino. Außerdem gibt es Trickfilme über das Türkenpaar Ersin und Börek. Die frischen Meldungen beschränkten sich allerdings bis Mittwochnachmittag auf einen Ticker, der am unteren Rand des Bildschirms lief; erst dann tauchte die erste aktuelle Meldung über die "Homo-Ehe" auf.

Geld für Videos Was noch fehlt, sind die angekündigten "Bezahl-Inhalte". Für Videos, die die Redakteure beim Recherchieren für die Website drehen sollen, will man bei "Bild. de" in Zukunft Geld verlangen. Erster "Premium-Content", für den gezahlt werden darf, ist die Hochzeit von Heiner Lauterbach.

Da dieses Kern-Element von "Bild. de" noch fehlt, spricht man beim Springer-Verlag bescheiden von einem "Soft-Launch". Die "Bild"-Zeitung beschwört in ihrem Kommentar zwar "die Online-Liebe zum Internet", die ab sofort bei den "Bild"-Lesern ausbrechen soll. Im Springer-Blatt "Welt", das bei der PR-Kampagne für "Bild. de" sekundiert, ist man zurückhaltender: "Um einen reibungslosen Ablauf dieses Vorhabens zu gewährleisten, werden die neuen Angebote nicht mit einem Schlag ins Netz gestellt. " So kann man es natürlich auch sagen. Tatsächlich warten die 35 Redakteure von "bild. de" seit Monaten darauf, dass das Online-Redaktionssystem Vignette fehlerfrei läuft. Laut Branchendienst "kress report" enthielt die Software, mit der das Webangebot betrieben werden soll, im Juni noch 240 "Bugs" (Programmierfehler).

"Wir sind seit Monaten in einer Warteschleife", sagt daher auch "Bild. de"-Chef Udo Röbel. "Nun wollten wir nicht länger warten, sondern loslegen. " Wann eine endgültige und funktionierende Version von "Bild. de" am Netz sein soll, will er nicht sagen: "Ich habe da schon so viele Prognosen gehört. . . " Eigentlich sollte die neue Homepage bereits Anfang des Jahres starten. Doch die technischen Probleme und Hickhack um die Nachrichtenzulieferung durch die "Bild"-Zeitung sorgten immer wieder für Verzögerungen. In der Branche nennt man "Bild. de" darum inzwischen "Bald. de". Mit T-Online hat der Springer-Verlag eine Kooperation mit dem Namen "bild. t-online. de" vereinbart. Diese Firma ist seit Mai "in Gründung". Ob sie oder der Springer-Verlag alleine in Zukunft "Bild. de" verantwortet, konnte Udo Röbel am Mittwoch nicht sagen.

(KORREKTUR - Am Donnerstag berichteten wir auf der Media-Seite, dass Bild. de für die Videobeiträge auf der Website Gebühren verlangen würde. Das ist nicht richtig. Die Filme sollen umsonst sein.- 03.08.2001)