AP/PAUL SAKUMA Am Netscape-Gebäude hat der Browserkrieg keine Spuren hinterlassen.

Die amerikanische Softwarefirma Netscape hat Microsoft wegen Verstößen gegen das Kartellgesetz verklagt. Netscape hatte Mitte der neunziger Jahre einen Internet-Browser entwickelt, der für einige Zeit die erfolgreichste Surf-Software im Netz war. In der Klage legt Netscape dar, dass der Niedergang des Unternehmens durch illegale Praktiken von Microsoft ausgelöst worden sei.

Während 1997 80 Prozent aller Internet-User den Netscape Navigator benutzten, sind es heute nur noch 12 Prozent. 87 Prozent aller Surfer verwenden dagegen inzwischen den Internet Explorer von Microsoft. Netscape, 1995 ein Vorzeigeunternehmen der amerikanischen New Economy, wurde im November 1998 von AOL aufgekauft.

Die Firma hat nun Klage gegen Microsoft erhoben und bezieht sich dabei auf ein Gerichtsurteil aus einem anderen Verfahren gegen das Software-Unternehmen. In einem Prozess, den das Justizministerium gegen Microsoft angestrengt hatte, wurde es für schuldig befunden, gegen das Kartellrecht verstoßen zu haben. Dazu zählte auch die Durchsetzung des eigenen Browsers Microsoft Internet Explorer gegen die Konkurrenz von Netscape mit monopolistischen Taktiken.

1995 lieferte Microsoft seinen Browser zusammen mit dem Betriebssystem Windows 95 aus. Als diese Praktik unter Beschuss kam, übte Microsoft Druck auf große PC-Hersteller aus, den Internet Explorer auf ihren Computer vorzuinstallieren. Die Internet-Branche sprach damals von einem "Browserkrieg".

Nun wollen sich Netscape beziehungsweise AOL Time Warner für die damalige Niederlage rächen. In seiner Klage verlangt AOL, Microsoft für die Zukunft derartig wettbewerbswidriges Verhalten zu untersagen. Außerdem will AOL für entgangene Umsätze im Geschäft mit Browser-Lizenzen und verlorene Marktanteile Schadenersatz in einer vom Gericht zu bestimmenden Höhe. Der Kurs der Microsoft-Aktie fiel nach Bekanntwerden der Klage in einem schwächeren Marktumfeld um knapp 2,5 Prozent, die Papiere von AOL verbilligten sich um fast vier Prozent.

Vom Markt gedrängt

Für Beobachter ist die Klage eine logische Konsequenz aus dem Verfahren, das das amerikanische Justizministerium gegen Microsoft gewonnen hat. Nachdem vor Gericht festgestellt worden ist, dass sich das Unternehmen monopolitischer Praktiken bedient hat, könnten nun auch andere ehemalige Konkurrenten prozessieren, die ebenfalls von Microsoft vom Markt gedrängt worden sind. Als mögliche Kandidaten für eine Klage gelten unter anderem Real Networks, Intel und Apple.

Ein Sprecher von Microsoft sagte, das Unternehmen habe die Klage noch nicht geprüft und könne zu Einzelheiten keine Stellung nehmen. Er fügte jedoch hinzu: "AOL hat Netscape für zehn Milliarden Dollar gekauft, nun will AOL Microsoft die Schuld für das Missmanagement von Netscape und AOL zuschieben."

Neun US-Staaten führen ein weiteres Verfahren gegen Microsoft, bei dem sie harte Strafen gegen die Firma durchsetzen wollen. Im März soll in dem Verfahren eine Anhörung stattfinden.