VON TILMAN BAUMGÄRTEL
Hockeyschläger. Besenstiele. Schneeschippen. Die Instrumente, die der amerikanische Künstler Ken Butler seit 1978 baut, sind aus Müll, aber sie klingen nicht so. Wie Instrumente, die man kennt, klingen sie allerdings auch nicht. Sie fiepsen, grummeln, klingeln und klappern. Wenn man die Klänge des Sperrmülls mit Gitarrensaiten durch einen Verstärker jagt, kann er auch einen ganz schönen Lärm produzieren. Davon konnte man sich bei der Eröffnung des Cyberfests 2013 im Co-Working-Space The Wye im ehemaligen 36er Postamt in Kreuzberg an der Skalitzer Straße überzeugen. Butler erwies sich dort als Virtuose des elektrisch verstärkten Regenschirms, den er mit dem Geigenbogen bearbeitete.
Das Cyberfest findet seit 2007 in St. Petersburg statt. Am Wochenende gastiert es erstmals in Berlin. Auf drei Etagen präsentiert eine Ausstellung eine Art "Greatest Hits" der Arbeiten, die in den letzten fünf Jahren beim Festival zu sehen waren und die auch schon in der Eremitage gezeigt wurden. Die Exponate dürften in dem würdigen Museum, das eine der bedeutendsten Sammlungen klassischer europäischer Kunst sein Eigen nennt, etwas eigentümlich gewirkt haben. Denn das Cyberfest stellt Arbeiten in den Mittelpunkt, die mit Technologie und Medien zu tun haben.
In Berlin rollt zum Beispiel ein kleines Rudel schwarzer Kisten auf dem Boden des Ausstellungsraums herum und macht merkwürdige Geräusche. Eine der Boxen in Andrii Liniks Installation "Om" hatte sich bereits bei der Eröffnung selbst an die Wand gefahren und schien sein Schicksal mit leisem Quietschen zu beklagen. Bei Anton Chumaks "Protozoa III" hängt eine Reihe von Elektromotoren unter der Decke, an die elastische Waschmaschinenschläuche angeschlossen sind. Wenn man nah an der Installation vorbeigeht, beginnen sich die Rohre zu bewegen, als wollten sie kraftlos nach dem Betrachter schlagen oder ihm ein Bein stellen. Daneben kann man bei Sergey Teterins "Movie Mincer" alte Stummfilme buchstäblich durch einen klobigen Fleischwolf aus der Sowjetära drehen. Und eine düstere Videoarbeit von Genesis P. Orridge, bekannt als Sänger der dienstältesten Industrial-Band Throbbing Gristle, zeigt, wie sich ein Chanel-Flakon mit Blut des Künstlers langsam entleert.
Cyberfest: Sa/So, 12-19 Uhr, The Wye, Skalitzer Str. 86, www.cylandfest.com