Was sagen die anderen? // Die Konkurrenten der Bertelsmann Music Group, Sony Music, EMI, Time Warner und Universal Music, erklärten zwar offiziell, Napster aus der Illegalität zu holen sei eine gute Idee. Gleichzeitig hieß es aus Kreisen einer großen Plattenfirma in den USA, man hätte erwartet, dass Bertelsmann die Konkurrenz im Vorfeld informiert, wenn sich alle an dem Projekt beteiligen sollen.

In anderen Musikunternehmen hieß es, die Pläne von Bertelsmann und Napster seien noch reine Theorie. Aus Branchenkreisen verlautete, selbst bei der in den USA ansässigen BMG habe es Widerstand gegen die Pläne des deutschen Mutterkonzerns gegeben.

Die Musikindustrie läßt zunächst keine Absicht erkennen, ihre Klagen gegen Napster zurückzuziehen. Auch die Internationale Vereinigung der Phonographischen Industrie hat gefordert, das Verfahren gegen Napster müsse fortgesetzt werden.

Napster www. napster. com AP Aus Freude über ein gutes Geschäft schenkte Shawn Fanning von Napster am Dienstag dem Bertelsmann-Chef Thomas Middelhof ein schönes T-Shirt.

Wofür sollen wir bezahlen? Etwa dafür, dass wir illegale Musik herunterladen? Und das soll es dann legal machen?" Das fragt sich ein Nutzer namens Th3 D0t auf der Website von slashdot.org, einem Internetforum für Computerfreaks und Hacker. Und er steht mit seinem Unverständnis nicht allein. Viele Nutzer von Napster sind nicht begeistert von der "strategischen Allianz", welche die Internet-Musiktauschbörse mit dem deutschen Medienkonzern Bertelsmann vereinbart hat. Wie Thomas Middelhoff am Dienstag zusammen mit Napster-Gründer Shawn Fanning in New York bekannt gab, gewährt Bertelsmann Napster ein Darlehen in zweistelliger Dollar-Millionenhöhe und erhält dafür die Option, sich an dem Unternehmen zu beteiligen.

In den Diskussionsforen des Internet wie im internen Chat von Napster sorgte die Ankündigung für heftige Diskussionen: "Boykott! Boykott! Boykott!" fordert etwa Boba Fett in der Newsgroup alt.music.mp5.napster. "Jetzt geht es zurück in den Untergrund! Ich will, dass die Benutzerzahl von 35 Millionen auf 10 zurückgehen... nein, auf NULL! Fanning kann jetzt in den Ruhestand gehen, bevor er alt genug ist, um in seinem Heimatland Alkohol zu trinken, aber dafür sollten nicht wir verantwortlich sein."

Die Meinung von "Schattengott"

Ein Diskussionsteilnehmer namens Shadow God entgegnet ihm: "Tut mir Leid, dir das mitteilen zu müssen, aber es war von Anfang an klar, dass Napster nicht für immer gratis sein würde. Ich nehme an, du hast Napster früher nicht benutzt, sonst wüsstest du, dass es ursprünglich durch Bannerwerbung finanziert werden sollte." Er selbst habe gegen eine niedrige monatliche Gebühr nichts einzuwenden: "Ich habe ein Kabelmodem, und ich könnte so jede Menge Zeugs für eine niedrige Gebühr runterladen. Die Alternative dazu ist, dass die Plattenfirmen Napster mit rechtlichen Schritten schließen. Damit wären dann auch alle anderen MP3-Tauschbörsen illegal. So würden sie bloß noch schwieriger zu finden und zu benutzen."

Grovertime stimmt ihm zu: "Es ist unausweichlich, dass Napster sich mit den Musikmultis EMI, BMG, Sony und Warner arrangiert, sonst hätten sie das Verfahren, das gegen sie läuft, nicht überlebt." Fatal0E stimmt ihm zu: "Mir ist es lieber, 20 Dollar im Monat für File-Sharing zu bezahlen, als immer Angst haben zu müssen, dass der FBI bei mir die Türen einbricht, weil ich im Netz MP3 s verbreite", schreibt Fatal0E.

Am Ende nur ein leerer Server?

Kritische Nutzer wie iElucidate zweifeln daran: "Eine einmalige Gebühr wäre nett, aber ich glaube nicht daran. Ich denke, dass sie eine bestimmte Summe pro Song haben wollen. Außerdem glaube ich, dass jetzt auch alle anderen Internet-Musiksites auf Napster-Server umsteigen wird, und Napster nur ein Musikangebot unter vielen werden wird - so wie eMusic, bloß mit dem Unterschied, dass sie eine eigene Software benutzen."

Eleven will Napster überhaupt nicht mehr nutzen: "Ich werde nicht eine Gebühr für Napster bezahlen, UND außerdem Internet-Bandbreite, Festplattenplatz und Rechenzeit zur Verfügung stellen, damit andere meine MP3-Sammlung herunterladen können." Er empfiehlt darum den Wechsel zu dem neuen File-Sharing-System "Mojo Nation".

Auch andere User empfehlen, zu Napster-Alternativen wie Gnutella oder Freenet zu wechseln. Schadenfroh schreibt ein Netzsurfer: "Wenn niemand mehr Napster benutzt, bekommt Bertelsmann nichts außer einem leeren Server."