Die Firma YOUin3D.com will der erste 3-D-Copyshop von Berlin werden
Von Tilman Baumgärtel
Auch in Berlin ist Do-it-yourself Mode geworden. In unserer Serie stellen wir in loser Folge Selbermach-Trends und die Menschen dahinter vor. Heute: Ein Besuch bei der Firma YOUin3D.com, die mit 3D-Druckern arbeitet.
Schon das Wandfries aus rot gestrichenen Computertastaturen an der Hauswand in der Hannoverschen Strasse in Berlin-Mitte läßt vermuten, dass YOUin3D.com keine normale Multimedia-Agentur ist. Wer im Inneren des langen, schlauchartigen Ladenlokals, in dem früher eine Bäckerei, dann ein Stasi-Horchposten und nach der Wende ein Künstleratlier und eine Galerie war, ins Hinterzimmer durch geht, findet sich in einem abenteuerlichen Hackerparadies wieder: Die Wände sind hinter Knäulen von Kabeln verschwunden, in einer Ecke türmen sich antiquierte Computermonitore vom monochromen PC-Bildschirm aus den 80er Jahren bis zu dem des Apple MacBook. Im Schaufenster stapeln sich 3-D-Drucker, die die Macher von YOUin3D.com zum Teil selbst zusammengebaut haben
aus Bauteilen, die sie mit so einem 3D-Drucker gefertigt haben.
Auf diesen Geräten, die nach Computerentwürfen kleine Figuren, Ersatzteile und Bauelemente aus Kunststoff gießen, ruht die Hoffnung des Unternehmens. Im Augenblick verdient man sein Geld noch mit der Erstellung von Websites und virtuellen 3D-Modellen. Gerade ist ein Computerspiel über einen Flaschensammler im Mauerpark in Arbeit. Aber nun soll hier Computercode wieder zu Dingen werden.
Unser Ziel ist es, der erste 3D-Copyshop in Berlin zu werden
, sagt Jan Northoff, der Gründer von YOUin3D.com.
Eigentlich ist Northoff Künstler. Er hat in Kassel freie Kunst studiert, Medieninstallation gemacht und ein Programm geschrieben, das auf Fragen des Zuschauers im Stil von Joseph Beuys antwortete.
Aber 2008 hatte ich eine Sinnkrise und wollte mit Kunst nichts mehr zu tun haben
, sagt Northoff.
Ich wollte etwas Sinnvolles machen.
Zusammen mit Freunden gründete er YOUin3D.com, um für das Online-Spiel Second Life Figuren und Räume zu entwerfen.
Für die virtuellen 3D-Welt entstand bei YOUin3D.com unter anderem ein digitales Berlin, das für viel Aufsehen und Berichterstattung in der Presse sorgte, und das brachte ihr Kunden. Die Firma baute für die Computerwelt unter anderem das Einkaufszentrum Alexa und das Waldkrankenhaus Spandau nach. Aber richtig profitabel war das nicht.
Dafür lernten Northoff und Kollegen, wie man mit 3D-Modellierungsprogrammen arbeitet. Dann hörten sie von den ersten 3D-Druckern, die für 2000 Euro verkauft wurden und mit denen man dreidimensionalen Computermodelle als reale Objekte ausdrucken konnte. Im Januar 2012 bestellten sie das erste Gerät aus den USA und begannen, sich in die neue Technik hineinzufuchsen. Und weil sie zu den ersten gehörten, die in Berlin so einen Apparat hatten, gab es schnell neue Aufträge: Auftritte bei Messen und Kongressen, und der Bau von Objekten für die Werbung und Prototypen für Firmen. YOUin3D.com hatte ein neues Geschäftsmodell.
Um 3D-Drucker wird derzeit viel Wind gemacht. Der amerikanische Computerjournalist Chris Anderson prophezeit in seinem jüngst erschienen Buch
Makers: die nächste industrielle Revolution
schon eine Individualisierung aller Produktionsprozesse, die diese Technologie auslöse werde. Schon bald könne jeder zum Schöpfer von Objekten von industrieller Qualität werden.
Eine Revolution ist das schon, aber sie beginnt nicht heute und nicht morgen
, glaubt hingegen Northoff. Die Zeit, wo in jedem Haus ein 3D-Drucker steht, der bei Bedarf zerbrochene Gardinenringe und verlorene Füllerkappen nachdruckt, sei noch weit entfernt
wenn sie überhaupt jemals komme. Im Augenblick seien die Maschinen noch zu schwierig zu bedienen und zu unzuverlässig. Allerdings, betont er, ist mit der neuesten Generation von 3D-Druckern ein großer Schritt hin zu Geräten getan worden, die auch von Leuten bedient werden können, die nicht Informatik studiert haben.
Wenn Leute öfter mit Aufträgen zu uns kommen, raten wir schnell zum Kauf eines eigenen Geräts
, sagt er.
Die billigsten Modelle kosten inzwischen nur noch 1000 Euro. Das Geld ist schnell wieder drin, wenn man viel damit arbeitet.
Neben der Arbeit von Kunden verkauft seine Firma auch 3D-Drucker, viele von ihnen aus eigener Produktion.
Das beste, was man mit 3D-Druckern machen kann, ist neue 3D-Drucker zu machen
, grinst Northoff, und fügt hinzu;
Mit 3D-Druckern macht man etwas aus dem Nichts und das fasziniert mich. Und es ist unglaublich schön, von der ununterbrochenen Arbeit am Computer wegzukommen und wieder mit Material zu arbeiten.
Da hört man dann doch noch den Künstler heraus.
SummaryInformation
WordDocument
DocumentSummaryInformation