VON TILMAN BAUMGÄRTEL

Wie ein Fuchs will er sich ins deutsche Unterbewusstsein einschmuggeln, sagt BRKN irgendwann in einer seiner gehaspelten Moderationen. Daher auch der Name des Künstlers, der eigentlich Andac Berkan Akbiyik heißt, was aber als Markenname nicht taugt. Also: Vokale raus, BRKN eben. Und ein Neonzeichen mit seinen Zügen machen lassen, das bei seinem Konzert am Mittwochabend hinten an der Wand hängt.

Obwohl - Konzert? Eher eine Musikshow, in der BRKN Moderator, Hauptdarsteller und Gastgeber in einem ist. In der Mitte der Bühne steht ein Flohmarkt-Sofa, links eine Hausbar mit Barmann und DJ, rechts etwas, das wie ein Flügel aussehen soll, aber nur eine Fassade für das Keyboard ist, auf dem sich BRKN selbst begleitet.

Zunächst fand die monatliche Show "BRKN, Dicker" im türkischen Theater Tiyatrom statt, nun im größeren Columbia Theater. Der seit Wochen ausverkaufte Gig vor einem Publikum, das alle Songs mitsingen kann, signalisiert, dass sich das mit dem Geheimtipp bald ändern könnte.

BRKN ist ein Kind dieser Stadt. Aufgewachsen in Kreuzberg als Sohn eines Therapeuten und einer Diplom-Pädgogin mit "Migrationshintergrund" hat er einen Stil entwickelt, der Rap und R'n'B, Funk und Soul kombiniert. Bisher hat er zwei Alben im Studio des Kellerraums eines Kreuzberger Kindergartens aufgenommen, in den er einst gegangen ist. Gitarre, Keyboards und Saxophon spielt er selbst. Seine beiden Alben sind nicht nur selbst produziert, sondern werden von seiner eigenen Firma Beste vertrieben. Die witzigen YouTube-Videos werden von und mit Kumpels produziert: "Denn ich hab' Vertrau'n in mein'n Verstand und mein Team. Wir haben den Start und das Ziel. Nur alles dazwischen ist unscharfes Gewirr - egal!", heißt es in einem Song. Seine Stücke haben die Ghetto-Romantik selbsternannter Gangster-Rapper, an denen Berlin so reich ist, hinter sich gelassen. Sie handeln vom Geldverdienen als McJobber, von dem Ehrgeiz, sich gegen widrige Umstände durchzusetzen, aber auch von schlichter, nicht zu unterdrückender Lebensfreude.

Der Do-It-Yourself-Ethos prägt auch seine Show: Hier scheint so gut wie nichts geplant zu sein. Pointen kommen spontan, werden aber auch schon mal versemmelt. BRKN spielt einige seiner Hits, aber auch Drakes "Fake Love". Als Gäste hat er den mäßig komischen Comedian Masud Akbarzadeh und Rapper Sido dabei. Man quatscht durcheinander, niemand scheint einen Plan zu haben. Sido hat Zahnschmerzen und darum eine Schmerzpille genommen, die er mit Wodka herunterspült. Im Verlauf des Abends erinnert er mehr und mehr an Jürgen von der Lippe.

Man redet Quatsch oder aneinander vorbei, spielt ein paar Songs, macht Selfies mit Björn aus dem Publikum, verspricht, das Ganze bei Instagram zu verlinken, gibt einem anderen Fan einen Drink aus. Es ist ein bisschen so, als würde Gelaber aus dem Backstage-Bereich vor Publikum aufgeführt. Peinliche Pausen, spontane Geistesblitze, mäandernde Anekdoten - den Zuschauern gefällt das.

Nach zwei Stunden muss dann - warum auch immer - alles blitzschnell aufgehört werden. Aber BRKN hat sein Ziel erreicht: eine ausverkaufte Halle, deren Besucher sich wunderbar unterhalten gefühlt haben. Er feiert sich in einer Selbstdarstellung als Querschläger, den man einfach lieben muss, obwohl er weder Genre-Erwartungen bedient noch ein vom Künstlermanagement normalisierter Interpret ist. Sondern ein toller Sänger, ein prima Komponist und Texter und ein linkischer, aber sympathischer Entertainer.

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Bildunterschrift: ROLAND OWSNITZKI Alles selbstgemacht: BRKN am Saxophon