Die FAZ im Internet // faz. net, das Online-Angebot der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, ist seit gestern online: www. faz. net Der Inhalt der gedruckten FAZ-Ausgabe www. faz. de Die englische Ausgabe der FAZ www. faz. com FAZ MEDIA Gegen Mittag ging so gut wie nichts mehr. Die Bits und Bytes kamen so langsam durch die Leitung gekrochen, als würden sie per Hand von Frankfurt nach Berlin getragen. Die Webseiten bauten sich im Schneckentempo auf, und wer sich "einloggen" wollte, bekam häufig Fehlermeldungen. Das Online-Debüt von faz.net hat am Montag offenbar mehr Interessenten angezogen, als der Server von faz.net bedienen konnte. Seit gestern ist das lange erwartete Online-Angebot der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) also nun am Netz. Als letzte deutsche Tageszeitung erhält damit das Blatt, hinter dem angeblich immer ein kluger Kopf steckt, eine Präsenz im Internet. Bisher hatte die FAZ nur eine schmale Homepage, auf der Informationen zum Verlag und die englische Ausgabe zu finden waren. Noch im November 1999 hatte Hugo Müller-Vogg, einer der fünf Herausgeber der FAZ, in einem Interview gesagt, dass sein Blatt im Gegensatz zu den anderen deutschen Zeitungen seine "Inhalte nie ins Netz stellen" werde; lediglich "ein ausführliches Da war die Internettochter allerdings immerhin schon ein halbes Jahr alt und arbeitete bereits an der neuen Website, die gestern "live geschaltet" wurde. Technische Probleme Ursprünglich sollte das Angebot bereits im vergangenen Herbst online gehen. Aber wegen technischer Probleme mit dem umfangreichen Angebot wurde der Start mehrfach verschoben. Ganz fertig wirkt faz.net auch jetzt noch nicht. Dem Spätstarter im Netz fehlen noch Links, von den geplanten E-Commerce-Angeboten ist außer einem Buchversand nichts zu sehen, und auch einige der anderen angekündigten Dienste gibt es noch nicht. "Ein Internetangebot ist nie fertig", sagt Frank Gaube, der Chefredakteur von faz.net. Immerhin ist nun die Richtung erkenntbar: faz.net will sich als "Deutschlands erste SmartSite" andienen - was bedeuten soll, dass sich der User Informationen nach seinen eigenen Interessen zusammenstellen kann. Das geht bei Yahoo und einigen anderen Info-Websites freilich schon seit Jahren. Allerdings sind die Informationen bei faz.net zum Teil gründlicher. Die Artikel für eine Webpublikation, bei der es auf Prägnanz ankommt, sind oft sogar zu lang für das Netz. Wer in den Genuss "personalisierter Informationen" kommen will, muss sich zunächst einmal anmelden. Diese Art von umständlichen Registrierungs-Prozeduren birgt die Gefahr, dass Internet-User sich gar nicht erst die Mühe machen, sich anzumelden. Wer sich durch die Anmeldungsformularen geklickt hat, für den gibt es allerdings "viele tolle Funktionen", wie es auf der Website heißt. Man kann sich eine E-Mail-Adresse einrichten, an Chats teilnehmen und sein Aktienportofolio überwachen. Selbst Staumeldungen und einen "Fitness-Coach" gibt es. Vor allem junge Leser, die die tägliche Bleiwüste der Frankfurter Allgemeinen abstößt, soll das Angebot binden. "Wir wollen die jungen, internet-affinen Akademiker", sagt Chefredakteur Gaube.
Für Leute mit "anspruchsvollem Beruf und knapper Freizeit" will das Angebot eine maßgeschneiderte Auswahl bieten. Schon in der Gestaltung unterscheidet sich der Webauftritt von faz.net darum deutlich von der Online-Präsentation der Print-Ausgabe. Während sich die Zeitung auf Papier textlastig und ohne Bilder präsentiert, sind bei faz.net schon auf der Eröffungsseite Grafiken und Illustrationen zu finden. Von der angekündigten "multimedialen Berichterstattung" war am Starttag allerdings noch nichts zu sehen. Zwar wird über die Website das Programm des FAZ Business Radios live übertragen. Doch zwischen den Texten im Netz fanden sich keine Links zu Radiobeiträgen. In puncto Aktualität lässt faz.net noch zu wünschen übrig. Auf dem eigenen Sender wird bereits berichtet, dass Verteidigungsminister Rudolf Scharping Soldaten, die im Kosovo waren, ärztliche Untersuchungen anbietet, da steht auf der Website noch das Gegenteil. Auch die Navigation könnte übersichtlicher sein. So geben Unterrubriken, "Miniarchive" und "Linkgruppen" dem Leser Rätsel auf. Buchrezensionen kann man sowohl in der "Kultur" wie unter "Books" suchen - die besprochenen Bücher können dafür gleich bei dem Buchversand Habel, an dem der FAZ-Verlag beteiligt ist, bestellt werden. Einen Konflikt zwischen wirtschaftlichem Interesse und redaktioneller Unabhängigkeit sieht man bei faz.net nicht. Gedruckte FAZ ist online Auch die gedruckte FAZ ist nun übrigens komplett online - anders als es der Verlag lange angekündigt hatte. Allerdings ist nur eine Auswahl der Artikel aus der Zeitung für alle Netzsurfer zugänglich. Alle anderen Beiträge können nur Abonnenten des Blattes lesen. Auf jeden Fall weiter kostenpflichtig soll die Benutzung des Archivs sein. Auch die Stellenanzeigen, mit denen der FAZ-Verlag mehr als doppelt so viel einnimmt wie durch den Verkauf der Zeitung, werden sich weiterhin nur im gedruckten Blatt finden. Das Webangebot soll durch Bannerwerbung finanziert werden. Bisher stehen bei faz.net allerdings ausschließlich Eigenanzeigen.