Wie Sie sicher wissen, habe ich auch so meine Probleme mit Jörg Haider. Doch als er mir überraschend das Finanzministerium anbot - Hand aufs Herz - hätten Sie s abgelehnt? Noch dazu im 31. Lebensjahr!" Die Selbstdarstellung vom neuen österreichischen Finanzminister Karl-Heinz Grasser im Internet ist von dankenswerter Offenheit. Auch seine Kollegin, die Tourismusstaatssekretärin Mares Rossmann, spricht im Web Klartext: "Noch eine kurze Mitteilung an meine Klientel: Wisst s eh, dass wir Touristen sehr schätzen, wenn sie nicht zu lange bleiben!"

Beide Zitate stehen auf einer Website mit der Adresse "www.fpo.at", die man auf den ersten Blick für die Internet-Selbstdarstellung der FPÖ halten mag. Doch tatsächlich ist die Site eine gut gemachte Fälschung der echten Netzpräsenz der österreichischen Freiheitlichen, die man unter "www.fpoe.at" im Netz findet. In Gestaltung und Ton ist die Fake-Site dem Orginal zum Verwechseln ähnlich. Erst wenn man genauer hinsieht, entdeckt man unter der Überschrift "Und morgen die ganze Welt" Links zum rechtsradikalen Thulenet und dem Ku-Klux-Klan, der DVU ("Ambitionierte Kollegen aus Deutschland") oder dem französischen Front National ("Wir

"Cyberterrorismus"

Bei der FPÖ ist man über den Fake wenig begeistert: "Wir Freiheitlichen stehen in keinerlei Kontakt mit diesen Cyberterroristen", steht auf der Website der FPÖ. Die Website sei nur ins Netz gestellt worden, um dem Ruf der Partei zu schaden. Die Freiheitlichen haben "Klage auf Unterlassung der Verbreitung des Namens" eingebracht und Anzeige wegen "Verstoß gegen das Wiederbetätigungsgesetz" erstattet. Zudem wurde der amerikanische Provider, bei dem die Website gespeichert ist, aufgefordert, die Seiten zu löschen. Viel erreichen wird die FPÖ wohl weder mit der Klage noch mit dem Protest bei dem Provider. Denn registriert ist die Site auf einen "Alan Lockwood" - und der wohnt angeblich in New York.

In den USA sind derartige Netzfakes schon länger an der Tagesordnung. In den letzten Monaten tauchten unter anderem Parodien der Websites von Georg Bush, Patrick Buchanan, dem New-Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani und der Weltbank im Netz auf.

Das Internet-Magazin "Telepolis" weist darauf hin, dass fast alle Neonazi-Sites im deutschsprachigen Raum schon lange Links auf die offizielle FPÖ-Website haben: "Dies scheint den Freiheitlichen aber keine Probleme zu bereiten."