Terrorismus, Verschwörung, Autobombe, Pathfinder, Passwort, Omar Bin Laden, Irak" - das sind einige der Schlüsselworte, die in einem neuen Virus versteckt sind, der zurzeit im Internet kursiert. "VBS/LoveLet-CL" ist nach dem Muster des berüchtigten "I love you"-Virus gestrickt, der im vergangenen Jahr Millionenschäden in der ganzen Welt ausgelöst hat. Allerdings scheint er wesentlich weniger gefährlich zu sein als "I love you".
Wie "Spiegel Online" am Dienstag berichtete, ist der Virus zwar schon im Netz aufgetaucht, hat sich aber noch nicht so stark verbreitet wie "I love you" oder zuletzt der "Homepage"-Virus. Trotzdem sollte man E-Mails mit dem Titel "!!!" nicht öffnen und auch von "Attachments", also an die Mail angehängten Dateien, die Finger lassen. Wenn man ein infiziertes Attachment öffnet, verschickt sich der Virus automatisch an alle anderen E-Mail-Adressen, die er im Adressbuch des Mailprogramms Outlook findet.
Das Besondere an "VBS LoveLet-CL" ist, dass er offensichtlich aus politischen Gründen von seinem Schöpfern "Extirpater" and "beyin" programmiert worden ist. Während das Programm sich online weiter fortpflanzt, verbreitet es eine Liste von Worten, die zu den Suchbegriffen des amerikanischen Abhörprogramms Echelon gehören sollen.
Echelon ist ein geheimnisumwittertes Projekt des amerikanischen Geheimdienstes, das ein Relikt des Kalten Krieges ist. Es soll Anfang der achtziger Jahre in Betrieb genommen worden sein, um Militärgeheimnisse der Staaten des Ostblocks auszukundschaften. Einer EU-Studie zufolge kann das Satellitenabhörsystem - an dem auch England, Australien, Kanada und Neuseeland beteiligt sein sollen - heute weltweit jedes Telefongespräch, jedes Fax und jede E-Mail abfangen können. Als wichtige Horchposten gelten Anlagen der amerikanischen NSA in Bad Aibling und im britischen Menwith Hill.
Bis heute hat die amerikanische Regierung die Existenz von Echelon immer wieder bestritten. Eine Delegation des Europäischen Parlamentes, die in den USA Gespräche über das Abhörsystem führen wollte, ist vor zwei Wochen in Washington von der US-Regierung und den Geheimdiensten vor die Tür gesetzt worden, obwohl sie zuvor förmlich eingeladen
Echelon soll die internationale Telekommunikation nach Suchworten durchsuchen, die auf internationalen Terrorismus und Wirtschaftspionage hinweisen könnten. Wie ein Staubsauger für Daten zieht das System Telefonate, E-Mails und Faxe, die solche Begriffe enthalten, ein und speichert sie, bis sie von Geheimdienstbeamten ausgewertet werden.
Sinn des "VBS/LoveLet-CL"-Virus scheint offenbar zu sein, das System durch eine Flut der Echelon-Schlüsselworte zu überlasten und dadurch wirkungslos zu machen. Solange das Virus sich allerdings nicht wie der "I love you"-Virus in großen Stil weiterverbreitet, ist diese neue Form der Cyber-Sabotage freilich wirkungslos.