"Mit solchen Methoden kann man Kunden schnell verärgern. " Petra Steiger Werbeagentur Maurer und Partner
Internet-Nutzer, die online Nachrichten lesen, sollten nicht erschrecken, wenn vor ihren Augen neuerdings plötzlich ein neues Browserfenster aufspringt oder ein Palmtop über den Bildschirm kreist. Pop-up und Pop-under, Interstitial oder Superstitial heißen diese neuen Werbemittel, die inzwischen auch im deutschsprachigen Internet immer häufiger auftauchen. Sie ersetzen die Bannerwerbung, die Reklamestreifen am Rand einer Website, die nur noch selten von Internet-Usern angeklickt werden.
Waren es bis vor kurzem vorwiegend Seiten aus den USA, auf denen die neuartigen Internet-Werbeangebote vorkommen, sind sie nun auch auf deutschen Seiten angekommen. Bei Spiegel-Online drängte sich in der vergangenen Woche die Werbung eines großen Prozessorenhersteller entgegen, auch auf den Websites des Stadtplan-Herstellers Falks und der Cebit öffnen sich immer wieder ungefragt neue, bildschirmgroße Fenster. In den USA haben laut einer Studie 30 Prozent der größten Websites in den USA derartige Pop-up-Werbung; international sind es 13 Prozent.
Pop-up-Werbung gibt es bereits seit Mitte der neunziger Jahre: Fensterchen mit Anzeigen, die sich neben dem Browser öffnen und vom User weggeklickt werden können. Neu sind die so genannten Pop-unders, die sich hinter dem Browserfenster öffnen. Erst wenn der Internet-Nutzer seinen Browser schließt, bemerkt er das zweite Fenster. Zurzeit mogelt sich zum Beispiel die Website eines deutschen Online-Buchversands hinter die Website der Suchmaschine Yahoo.
Fast schon berüchtigt ist die Werbung für eine Mini-Kamera namens X10.com, vor der man sich auf Websites aus den USA kaum retten kann. Die Website gehörte neben AOL, Microsoft und Yahoo eine Zeit lang zu den zehn meistbesuchten Angeboten - bis die Marktforschungsfirma Jupiter Media Metrix, die die Klickenraten im Internet misst, X10.com aus ihrer Statistik nahm, weil die Site nur Im Netz kursieren bereits Programme wie "Webwasher" oder "KillAd", die verhindern, dass sich ungewollt Fenster öffnen.
Petra Steiger von der Werbeagentur Maurer und Partner warnt vor möglichen negativen Auswirkungen der Pop-unders: "Mit solchen Methoden kann man Kunden schnell verärgern. Solche Pop-ups müssen schon sehr gut gemacht sein, um keine Anti-Reaktion auszulösen."
Neu sind auch die so genannten Interstitials, die für einige Sekunden den gesamten Bildschirm einnehmen, ohne dass der Netznutzer sie wegklicken kann. Nach Angaben der Hamburger Internet-Werbeagentur Orange Media klicken sie bis zu 25 Prozent der Surfer an. Dass man mit so brachialen Methoden die Nutzer verärgert, glaubt Marcus Schmid von Orange Media nicht: "Interstitials sind attraktive Werbeformate, die unseren Kunden überdimensionale Nutzung bringt", sagt er. "Die Internet-Nutzer wissen, dass Medienangebote Geld kosten. Wer gute redaktionelle Angebote haben will, muss auch bereit sein, die Konsequenzen zu tragen."