Geklaute Bilder pragen auf vielen privaten und kommerziellen Homepages. Der amerikanische Playboy will den Raubkopierern jetzt das Handwerk legen: mit "digitalen Wasserzeichen"

Von Tilman Baumgärtel

"Guten Abend, kommen Sie herein", pflegte Playboy-Herausgeber Hugh Hefner in den siebziger Jahren die Zuschauer seiner Kabelfernsehshow als Gastgeber zu begrüßen. "Nehmen Sie sich 'was zu trinken oder zu essen, und amüsieren sie sich mit uns." Wenn der Playboy-Club seine Pforten öffneten, dann gab es Seventies-Gaudi vom Feinsten: Frauen mit Make-Up in allen Regenbogenfarben wiegten sich in bodenlangen Maxi-Röcken zum Rhythmus von Disco-Stücken, afro-belockte Kottlettenträger mit Schlaghosen und engen Polyester-Hemden schüttelten die Mähne dazu; dazwischen schoben sich Playboy-Bunnies in knappen Korsetten und mit Hasenohren auf dem Kopf durch die Menge, und boten Zigaretten und Drinks an.

Zwanzig Jahre später sind die Playboy-Clubs, die es in den siebziger Jahren in den meisten amerikanischen Großstädten gab, geschlossen. Wer in den politisch korrekten neunziger Jahren Frauen mit Hasenohren herumlaufen ließe, würde in den USA wahrscheinlich mit Protesten und Boykottdrohungen überzogen. Und die Playboy-Kabelfernsehsendung wird in einem Musik-Videos ironisch recycelt.

Doch den Playboy-Club gibt es immer noch: allerdings weder in amerikanischen Städten noch im Fernsehen, sondern im Cyberspace. Auf der Homepage des amerikanischen Playboy (www.playboy.com) ist zur Zeit die "Beta-Version" eines "Cyber-Clubs" (http://www.playboy.com/palace/index.html) zu besichtigen. Playboy war eine der ersten Zeitschriften, die eine eigene Homepage im Internet hatten. Das amerikanische Männermagazin ist bereits seit 1994 online, jetzt will Playboy Enterprises mit seiner Site endlich richtig Geld im Internet verdienen. Für 7 Dollar pro Monat sollen CyberClub-Mitglieder bald Zugang zu den Homepages von 500 Playmate-Homepages haben, außerdem soll es Chats mit dem "Playmate des Monats" und diverse neckische Softsex-Angebote geben.

Das Angebot, für das man die kostenlose Kommunikations-Software "Palace" herunterladen muß, ist wie einer der alten Playboy-Clubs gestaltet, hinter der Theke steht ein Hugh-Hefner-Icon, und selbst die Playboy-Bunnies mit den Hasenohren auf dem Kopf sind wieder da - wenn auch mit einem recht futuristischen Design. Insgesamt sollen den Clubmitgliedern im "Cyber-Club" in einer Datenbank über neun Millionen Bildern von dürftig oder gar nicht bekleideten jungen Frauen zur Verfügung stehen.

Doch ein unauffälliges, technisches Detail, das die meisten User des "Cyber-Clubs" gar nicht bemerken dürfte, könnte zu einer fundamentalen Veränderungen der Copyright-Situation im Internet führen. Alle Pin-Ups auf der Playboy-Site werden eine mit bloßen Auge unsichtbare Komponente haben - nein, nicht aus Silicon, sondern aus Bits und Bytes. Ein "digitales Wasserzeichen", das Informationen über Copyright und Fotoquelle soll die Bilder von der Playboy-Homepage identifizierbar machen.

Wie die Markierungen auf Banknoten, die man nur sieht, wenn man den Schein gegen das Licht hält, sind auch die digitalen Wasserzeichen auf den ersten Blick unsichtbar. Playboy bedient sich dabei einer Technologie, die von der Softwarefirma "Digimarc" (www.digimarc.com) aus Portland entwickelt wurde. Das Digimarc-Programm versteckt im Code von digitalisierten Bildern Informationen über den Urheber des Bilds, die Copyright-Situation, die anvisierte Altersgruppe (bei Playboy: adult) und wie man den Urheber kontaktieren kann. Diese Informationen können mit mit gängigen Bildbearbeitungsprogrammen wie "Adobe Photoshop", "Corel Draw" oder "Photo Paint" entschlüsselt werden.

Gegenüber anderen Signaturprogrammen hat die Digimarc-Technologie einige entscheidende Vorteile: Erstens überlebt die Signatur auch die Konvertierung einer Datei von einem Grafikformat in ein anderes. Zweitens ist die Copyright-Information im ganzen Bild immer wieder versteckt, so daß man den Urheber auch dann noch ausmachen kann, wenn ein Bilderpirat nur ein einzelnes Element aus einer Fotografie herausnimmt und zum Beispiel für eine Fotomontage weiterverwendet.

Auch die "Centre-Folds" des Print-Playboy sollen in Zukunft mit der Digmarc-Software codiert werden. Denn in Bildern, die auf herkömmliche Weise gedruckt sind, kann die Copyright-Information ebenfalls "eingebettet" werden. Werden die Fotos für die Bearbeitung mit dem Computer eingescannt, kann man sie wieder entschlüsseln.

Doch was die Digimarc-Technologie vor allem für das Internet so interessant macht, ist das "MarcSpider"-Programm, das das Unternehmen als Ergänzung zu seinem Signatursystem anbietet. "MarcSpider" ist ein sogenannter "Crawler", der selbstständig durch das Internet patrouilliert und Homepages nach Bildern mit den Playboy-Informationen durchsucht. In einer Datenbank mit dem Namen "MarcCentre" werden diese Informationen gesammelt; die Digimarc-Kunden erhalten gegen eine Gebühr regelmäßig Auskunft darüber, welche Sites der "MarcSpider" abgesucht hat und wo Bilder gefunden wurden.

Dabei geht es dem Unternehmen nicht darum, in Zukunft die privaten Bastler von Homepages mit Copyright-Prozessen zu überziehen, wie eine Sprecherin des Unternehmens sagt: "Es gibt zum Beispiel eine Menge Studenten, die unsere Bilder auf ihre eigenen Homepages setzten", sagt Eileen Kent, Vize-Präsidentin der Abteilung Neue Medien bei Playboy Enterprises. "Das sind Playboy-Fans, und darum wollen wir sie nicht schikanieren, aber illegal ist es trotzdem. Wenn wir Bilder von uns auf privaten Sites finden, werden wir die Besitzer bitten, sie herunternehmen."

Wesentlich weniger Geduld hat Playboy bereits in der Vergangenheit allerdings mit Firmen gehabt, die versuchten, mit Bildern aus dem Heft oder von der Website Geld zu verdienen. Anfang des Jahres zeigte Playboy zum Beispiel die Internetfirma "Five Senses Productions" in San Diego an, weil die Firma auf einer Porno-Seite auch Bilder aus dem Playboy veröffentlicht hatte, die Websurfer gegen eine Monatsgebühr von 5 Dollar herunterladen konnten. Im April durchsuchte die Polizei die Geschäftsräume und die Server-Computer von "Five Senses Productions" und fand dabei tausende von Bildern, die aus dem Playboy stammten. Dazu gehörten unter anderm Bilder des amerikanischen Busenwunders Pamela Anderson.

Francesco Sanfilippo, der Besitzer von "Five Senses Productions", verteidigt sich bei dem Verfahren, das noch vor einem Gericht in San Diego läuft, mit dem Argument, das er die Quelle der Bilder nicht gekannt habe: "Die Bilder auf meinem Server wurden aus verschiedenen Newsgroups des Internet heruntergeladen. Ich habe keins der Bilder selbst eingescannt; ich habe noch nicht mal einen Scanner. Auf den Bildern war kein Copyright-Symbol, darum konnte ich auch nicht wissen, woher die Bilder stammten."

Playboy widerspricht: Mehrmals habe man Sanfilippo darauf hingewiesen, daß er Bilder aus dem Playboy auf seiner Site habe; der habe sie kurz heruntergenommen, und dann mit neuen Dateinamen wieder angeboten. Außerdem habe er die Bilder auch auf einer CD-Rom verkauft. In Zukunft kann sich nun niemand mehr damit herausreden, daß er nicht über das Copyright von Playboy-Fotos Bescheid gewußt hätte: die nötigen Informationen sind mit handelsüblichen Bildbearbeitungs-Programmen in jedem Bild zu finden.

Bei der deutschen Tochter hält man derartige Verfahren übrigens noch nicht für notwendig. Wigbert Klein, Leiter der Graphikabteilung des deutschen Playboy, hat von dem neuen Verfahren zwar schon gehört, aber die eigene Photos sollen vorerst nicht digital signiert werden: "Bisher sind wir ja gar nicht im Internet", heißt es aus der Münchner Playboy-Redaktion.