Die Surveillance Camera Players spielen alte Stücke vor neuen Überwachungskameras. Eine Kurzfassung von "Warten auf Godot" erlebt vor einer Kamera in der U-Bahn ihre Premiere; Orwells "1984" wurde vor einer Webcam auf dem Times Square gegeben. Die New-Yorker Gruppe sagt, sie spiele Theater, um die Überwacher zu unterhalten. Wirklich? Ein Interview mit ihrem Kopf Bill Brown.

Was machen die Surveillance Camera Players?

Wir führen Theaterstücke vor Überwachungskameras auf. Das sieht so aus, dass wir große, handgemalte Schilder mit den Dialogen hochhalten und dazu Pantomime aufführen. Denn die Überwachungskameras zeichnen keinen Ton auf.

Was habt ihr gegen Überwachungskameras?

Der Einsatz von Überwachungskameras durch die Polizei ist eine klare Verletzung des vierten Artikels der amerikanischen Verfassung. Das hat der Supreme Court 1967 durch eine Entscheidung bestätigt.

Trotzdem haben sie sich durchgesetzt, und die Kriminialitätsrate in New York ist in den letzten Jahren gesunken.

Das Verbrechen in New York ist zurückgegangen, weil der Bürgermeister jede Menge arme Leute festnehmen lässt. Die Stadt und die Polizei wollen mit den Kameras politische Proteste überwachen. Zum Beispiel die Gegend um die St. Patrick s Cathedral: Da gibt es zwar keine Verbrechen, aber jede Menge Proteste gegen die Politik der katholischen Kirche. Darum hängen da jede Menge hochmoderne digitale Überwachungskameras.

Ihr sagt, eure Zielgruppe ist der Mensch, der vor dem Überwachungsmonitor sitzt. Warum der Aufwand für eine einzige Person?

Unsere wirkliche Zielgruppe sind die Leute, die uns auf der Straße zusehen. In New York sind das meist ziemlich viele Menschen, weil wir nur in sehr belebten Gegenden auftreten. Es war ein Witz, als wir sagten, dass wir unsere Stücke für die Aufpasser und Bullen spielen. Fuck them!

Vor diesen Kameras aufzutreten hat trotzdem etwas Absurdes, aber das ist wohl beabsichtigt.

Klar. Wir finden die ganze Logik dieser Überwachung absurd: Die Kameras machen die Leute paranoid, damit sie sich rational verhalten und keine Verbrechen begehen. Aber paranoide Leute sind nicht rational.

Welchen Effekt auf das Publikum erwartet ihr von diesen Aufführungen?

Wir wollen die alltägliche Routine der Leute unterbrechen, und ihnen zeigen, dass es keinen Grund gibt, sich von diesen Kameras einschüchtern zu lassen.

Das Gespräch führte Tilman Baumgärtel.