Nach AOL kommt BOL: Heute geht der Online-Buchversand des Bertelsmann-Konzerns in Frankreich und Deutschland gleichzeitig ans Netz. Und das ist erst der Anfang: als nächstes werden Filialen in Großbritannien, Holland und Spanien aufgemacht. "Mittelfristig" existiert auch eine "asiatische Perspektive". So mußten Heinz Wermelinger und Thomas Schnieders heute morgen in der deutschen Hauptstadt der Presse Rede und Antwort stehen, dann ging's per Flugzeug in die französische Hauptstadt, wo am nachmittag schon die französischen Kollegen warteten. Zum Glück läßt bol.uk.co, noch auf sich warten, sonst wäre London heute die dritte Station der Präsidenten-Rundreise geworden. So sieht Pressearbeit im Zeitalter der Globalisierung aus.

Ansonsten war der Start von BOL eine spannungsfreie Sache: das Interface der Website gleicht bis in einzelne Funktionalitäten der vom Über-Konkurrenten Amazon.com. Die Synergien mit Bertelsmann-Verlagen und -Buchclubs, die Multimedia-Vorstand Dr. Klaus Eierhoff ankündigte, ist vorerst kein Thema. Aber durch besondere Orginalität muß sich der Internet-Buchclub auch gar nicht auszeichnen. Solange das Angebot einigermaßen funktioniert, muß man sich bei Bertelsmann nur entspannt zurücklehnen, und darauf warten, daß die Surfer sich von den diversen hauseigenen Online-Angeboten zu bol.de durchklicken: AOL, Compuserve und alle Websites des Hauses Gruner+Jahr, alles Töchter des Gütersloher Medienkonzerns, haben ab sofort einen Link zu der neuen Site; auch mit Focus und der Suchmaschine Lycos wurden "strategische Partnerschaften" vereinbart; weitere Deals werden gerade ausgehandelt. Konkurrent Amazon.de steht ohne vergleichbares Netzwerk da und hat bisher auch nur in Deutschland eine europäische Filiale.

Investiert hat Bertelsmann bisher 200 Millionen Dollar für den Ankauf des amerikanischen Internet-Buchhändlers "barnesandnoble.com" und noch einmal 100 Millionen für den Ausbau des Angebots in den USA. In Europa sollen "Anfangsinvestitionen im gleichen Umfang" getätigt werden. Einen erhofften Break-Even-Point wollte Eierhoff nicht angeben, denn "die Konkurrenz schläft nicht". In naher Zukunft sollen außer Büchern auch Videos und Cd's verschickt werden.